„Am Dienstag fand ein Treffen des Krisenmanagementteams der Regierung statt. Nach dem Treffen gab Premierminister Mateusz Morawiecki bekannt, dass zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus beschlossen wurde, alle Massenveranstaltungen abzusagen“, heißt es in einem Online-Beitrag der polnischen Zeitung Gazeta Prawna.

Laut des Gesundheitsportals medonet.pl ist die Zahl der Infizierten am Mittwoch (Stand 18.30 Uhr) auf 27 gestiegen. Fünf der erkrankten Personen waren mit Stand Dienstagnachmittag in einem kritischen Zustand.

Bisher 27 Corona-Infizierte in Polen

Die bisher bekannten Fälle sind in Breslau, Warschau, Ratibor und Cieszyn (Woiwodschaft Schlesien) – letzteres liegt an der Grenze zu Tschechien, Stettin (Woiwodschaft Westpommern), Osterode (Woiwodschaft Ermland-Masuren), Landshut (Karpatenvorland), Lublin und Bełżyce (Woiwodschaft Lublin), Krakau (Woiwodschaft Kleinpolen), Posen (Woiwodschaft Großpolen) und Zielona Góra (Woiwodschaft Lebus) aufgetreten.

Die Woiwodschaft Lebus grenzt im Westen an Deutschland. Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Guben, Forst (Lausitz), Bad Muskau und Rothenburg/Oberlausitz sind bekannte Grenzstädte auf der deutschen Seite. Zielona Gora (Grünberg) ist von den deutschen Grenzstädten Forst und Bad Muskau rund 70 Kilometer entfernt.

Polens Grenzen bleiben offen

Gerüchte, die sich auch über Whatsapp verbreitet haben, dass Polen plant, die Grenzen zu schließen, haben sich nicht bestätigt. „Die Grenzen werden nicht geschlossen. Es wird aber weiterhin stichprobenartige Gesundheitskontrollen an den Grenzübergängen geben“, erklärt ein Sprecher der polnischen Botschaft in Berlin auf Nachfrage der Lausitzer Rundschau.

Dabei würden sich die Kontrollen besonders auf Busse konzentrieren. Auch in Zügen oder Fähren, die die Grenze zu Polen überqueren, wird kontrolliert.

Es kann aber passieren, dass auch Lausitzer, die zu den polnischen Einkaufsmärkten an der Grenze fahren wollen, erst einmal Fieber messen lassen müssen, bevor Sie weiterfahren dürfen.

Pläne, Einkaufsmärkte oder Supermärkte in der Grenzregion zu schließen oder die Öffnungszeiten aufgrund der Coronavirus-Ausbreitung einzuschränken, gibt es bisher nicht. So informierte Piotr Kuliniak, Bürgermeister von Leknica, dem polnischen Pendant zu Bad Muskau, auf seiner Facebook-Seite, dass der Einkaufsbasar geöffnet bleibt.

Das bestätigt auch der Sprecher der polnischen Botschaft in Berlin, Dariusz Pawłoś: „Es gibt keine Reglementierung der Einkäufe. Polnische und deutsche Bürger können in Polen ohne Beschränkungen einkaufen, sowohl in Supermärkten als auch an den Tankstellen und natürlich auch in den Märkten an der Grenze zu Deutschland.“

Wegen Corona: Polens Unis, Schulen und Kitas dicht

Geschlossen werden hingegen die Schulen in Leknica. So soll ein Schüler Kontakt zu einer Person gehabt haben, die in Italien aus einem der Infektionsgebiete kommt. Der betroffene Schüler stehe unter Quarantäne und werde beobachtet. Bisher konnte aber keine Infektion nachgewiesen werden.

Das Direktorium der öffentlichen Schulen in Leknica hat sich aber laut einer Mitteilung zur Sicherheit dafür entschieden, den Unterricht in den Schulen auszusetzen und auch die Kita zu schließen. Damit liegt Leknica auf der Linie der polnischen Regierung.

Am Mittwochvormittag hat Polens Premier Mateusz Morawiecki bei einer Pressekonferenz in Warschau auch bekannt gegeben, dass ab kommenden Montag neben Museen und Kinos alle Schulen, Kindertagesstätten und Hochschulen für zwei Wochen geschlossen werden. Auch das ist bei der Gazeta Prawna online nachzulesen.

Davon ausgenommen sind aber zum Beispiel psychologische und pädagogische Beratungsstellen, Sonderschulen, sonderpädagogische Zentren oder Kindergärten und Schulen in Gesundheitseinrichtungen und Sozialhilfe-Institutionen.

Eltern, die aufgrund der Maßnahmen Kinder im Alter von bis zu acht Jahren Zuhause betreuen müssen, erhalten in dieser Zeit vom Bildungsministerium ein sogenanntes Pflegegeld.