Der polnische Gesundheitsminister Łukasz Szumowski hat am Donnerstag darüber informiert, dass im Land ein epidemischer Notstand ausgerufen wurde, wie die polnische Tageszeitung Gazeta Prawna schreibt.

Das heißt, dass der Gesundheitsminister ab sofort die Möglichkeit hat, den öffentlichen Verkehr einzuschränken, die Nutzung und den Verkauf von bestimmten Produkten verbieten oder den Betrieb von Institutionen und Einrichtungen einschränken kann.

Zudem können auch Veranstaltungen verboten werden. „Es kann auch die Bereitstellung von Immobilien, Räumlichkeiten und Grundstücken angeordnet werden, um Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie zu ergreifen“, sagte der Minister weiter.

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Wie Szumowski weiter informierte, werden 19 Krankenhäuser im ganzen Land derzeit vorbereitet, um speziell Corona-Patienten aufzunehmen. „Diese Krankenhäuser werden bis Montag bereit sein, die mit dem Coronavirus infizierten Patienten aufzunehmen. In jeder Provinz gibt es mindestens ein Krankenhaus, in einigen Provinzen, in denen die Bevölkerung größer ist, wird es mehr dieser Krankenhäuser geben", sagte der Gesundheitsminister.

Erster Todesfall durch Corona

Mittlerweile hat Polen den ersten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Die 57-Jährige, die in Posen in einem Krankenhaus behandelt wurde, habe aber schon bei ihrer Einlieferung eine schwere Lungenentzündung gehabt, wie die Nachrichtenagentur PAP laut Deutscher Presseagentur dpa informiert hat.

War am Mittwoch noch von 22 bestätigten Corona-Fällen die Rede, ist die Zahl am Mittwoch auf über 50 hochgeschnellt, wie das Nachrichtenmagazin Wprost auf dem Onlineportal https://zdrowie.wprost.pl/ und die polnische Boulevardzeitung Super Express übereinstimmend berichten. Im Beitrag von Wprost sind alle bisher bekannten Fälle detailliert aufgelistet.

Gubin: „Behördengänge einschränken“

Die Stadt Gubin, als Teil der deutsch-polnischen Doppelstadt Guben-Gubin, hat ihre Bürger auf ihrer Facebookseite dazu aufgerufen, auf Ämtergänge und Bankbesuche weitgehend zu verzichten und wenn möglich alles online zu erledigen. Zudem wurde das Schwimmbad geschlossen. In ganz Polen haben ab Montag Kitas, Schulen und Hochschulen zu.

Indes haben die Supermärkte mit Hamsterkäufen zu kämpfen, wie die Boulevardzeitung Fakt auf fakt.pl berichtet. Der polnische Handels- und Vertriebsverband POHiD, zu dem unter andren die Ketten Lidl, Kaufland oder Tesco gehören, rief demnach die Polen dazu auf, Ruhe zu bewahren. Für Aufregungen sorgten laut des Beitrags auch gestreute Gerüchte über vermeintliche Schließungen der Geschäfte.

Auch eine Einschränkung des Betriebs sei derzeit nicht geplant. Man stehe aber in ständigem Kontakt mit der Obersten Sanitärinspektion, die dem Gesundheitsministerium untersteht, um das weitere Vorgehen und gegebenenfalls nötig werdende Maßnahmen abzustimmen.

Polens Supermärkte bleiben offen

Es gebe keinerlei Pläne, Geschäfte zu schließen, man sei auf ein Worst-Case-Szenario vorbereitet, damit die Produktion und Lieferung von Waren nicht beeinträchtigt wird.

„90 Prozent der in den Einzelhandelsketten verkauften Lebensmittel stammen von polnischen Lieferanten, die Geschäfte verfügen über angemessene Lagereinrichtungen und moderne Vertriebszentren, sodass keine Gefahr einer Lebensmittelknappheit im Land besteht", heißt es in einer Pressemitteilung der polnischen Handelsorganisation.