Von Dietrich Schröder

Für die Entwicklung der „Ostbahn“, die von Berlin über Märkisch-Oderland bis nach Kostrzyn und Gorzów führt, gibt es einen neuen Impuls aus Polen. Dort wird die Strecke in Richtung Osten besser an zentrale polnische Linien angebunden.

„Wir werden schneller und sicherer reisen.“ So kündigte es die Marschallin der Wojewodschaft Lebuser Land, Elzbieta Polak, kürzlich auf einer Pressekonferenz mit der polnischen Staatsbahn PKP an. Die Ostbahn-Linie, auf der täglich Hunderte Polen und Tausende Brandenburger in Richtung Berlin pendeln, wird auf polnischer Seite weiter ausgebaut.

Nachdem schon in den vergangenen Jahren unter Einsatz von EU-Mitteln der Streckenabschnitt zwischen dem Grenzort Kostrzyn (Küstrin) und Gorzów (Landsberg) saniert wurde und sich derzeit der Gorzower Bahnhof in der Modernisierung befindet, soll die Strecke jetzt weiter in Richtung Osten modernisiert werden. Für den etwa 75 Kilometer langen Abschnitt von Gorzów nach Krzyz (Kreuz) stehen zehn Millionen Zloty (rund 2,5 Millionen Euro) zur Verfügung; drei Viertel des Geldes kommen von der EU.

Die Summe hört sich nicht riesig an, brächte aber zweifachen Nutzen. Denn zum einen kreuzt sich die Ostbahn (die weiter in Richtung Danzig führt) in Krzyz mit der zentralen polnischen Linie zwischen Stettin und Posen. Es entstehen also neue Umsteigemöglichkeiten.

„Zum anderen wachsen dadurch unsere Chancen auf eine Elektrifizierung der Ostbahn“, ergänzt Elzbieta Polak. Eine Studie zu den Elektrifizierungskosten hatte die Woiwodschaft ebenfalls kürzlich in Auftrag gegeben.

Anders zeigt sich die Situation auf Brandenburger Seite. Hier ist die Strecke zu großen Teilen noch eingleisig. Mit dem Argument, dass sie keine Bedeutung für den Fernverkehr habe, war ihre Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 2016 gescheitert.

Trotzdem bemühen sich Brandenburg und Berlin um Verbesserungen: Seit dem jüngsten Fahrplanwechsel fahren die Züge des Streckenbetreibers Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) von Kostrzyn bis zum Berliner Ostkreuz durch, was das Umsteigen erleichtert. Außerdem kann die NEB seit Jahresbeginn vier weitere Dieseltriebwagen einsetzen, die in Polen speziell für den Betrieb in beiden Ländern gebaut wurden.

Auf einer Ostbahn-Konferenz, die von den drei Industrie- und Handelskammern aus Ostbrandenburg, Berlin und Gorzów in Seelow veranstaltet wurde, war kürzlich zudem das große Potenzial der Strecke aufgezeichnet worden. „Wenn 2020 der neue Hauptstadtflughafen eröffnet ist, wird es Tausende Pendler mehr geben“, ist sich der Verkehrs-Analyst Martin Reents sicher. Er verweist auch auf das Potenzial für den Gütertransport auf der Schiene zwischen der deutschen Hauptstadtregion und dem nordöstlichen Europa.

Laut dem Brandenburger Landesverkehrsplan sollen ab 2023 die Ostbahn-Züge zwischen Berlin und Müncheberg alle 30 Minuten fahren. Dafür müsste es aber zumindest zweigleisige Abschnitte zwischen Mahlsdorf und Hoppegarten geben, für die die Planungen bisher noch nicht begonnen haben. Der Impuls aus Polen sollte ein Anstoß sein, um sie voranzutreiben. „Ihr müsst bei euren Politikern um Unterstützung werben und wir bei unseren“, hatte der Chef der Gorzower IHK, Jerzy Korolewicz, kürzlich in Seelow zu den Brandenburger Teilnehmern gesagt.