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Küstrin-Kietz
Brückenpläne an der Grenze schüren Angst

Blick über die Oder in Küstrin (l) auf die Eisenbahnbrücke (hinten) und die Straßenbrücke über den Grenzfluss ins polnische Kostrzyn (r.). Erst wenn das deutsch-polnische Regierungsabkommen zum Brückenbau in Kraft trete, können die Verantwortlichen in der Region aktiv werden.
Blick über die Oder in Küstrin (l) auf die Eisenbahnbrücke (hinten) und die Straßenbrücke über den Grenzfluss ins polnische Kostrzyn (r.). Erst wenn das deutsch-polnische Regierungsabkommen zum Brückenbau in Kraft trete, können die Verantwortlichen in der Region aktiv werden. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Küstrin-Kietz. Bisher ist über die Oder-Straßenbrücke bei Küstrin-Kietz nur bekannt, das sie von Polen erneuert werden soll. In Ostbrandenburg lösen die Pläne Sorgen aus.

Um es vorweg zu nehmen: Gegen eine Erneuerung der maroden Grenzbrücke Küstrin-Kietz (Märkisch-Oderland) hat in der Region niemand etwas. „Aus touristischen und auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das sogar dringend notwendig. Jetzt können da ja nicht mal Busse drüber fahren“, sagt Frank Schütz (CDU), Bürgermeister in Golzow (Märkisch-Oderland).

Es ist jedoch der erwartete Verkehrsansturm, vor dem sich die Anwohnergemeinden entlang der ohnehin schon stark frequentierten Bundesstraße 1 fürchten. Denn die Strecke ist die kürzeste Transit-Verbindung zwischen Berlin und der boomenden Sonderwirtschaftszone im polnischen Grenzort Kostrzyn.

Absehbar ist, dass mit einem modernen Neubau die bisherige Beschränkung auf Lastwagen bis zu 7,5 Tonnen wegfällt und dann auch Schwerlasttransporter durch die Anwohnergemeinden donnern könnten. Reimar Wendland, Chef der Bürgerinitiative B1, spricht in diesem Zusammenhang von vorsätzlicher Körperverletzung.

„Neben der Lärmbelästigung bekommen wir es dann auch mit krebserregenden Stickoxiden und giftigem Feinstaub zu tun“, sagt er. Denn von den 2400 Transportern, die dann täglich den Straßen-Grenzübergang und die B1 nutzen, seien die meisten „osteuropäische Dreckschleudern“, wie er sagt.

Die Zahlen hat seinen Angaben nach Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) selbst genannt, als Vertreter der Bürgerinitiative Anfang März im Infrastrukturausschuss des Landes in Potsdam waren. Antworten auf drängende Fragen der Anwohner zu den Brückenbauplänen habe es jedoch nicht gegeben, beklagt Wendland.

Die regionale CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin kritisiert ebenfalls: „Wir wissen seit Jahren, dass die neue Brücke kommt, werden aber über die genaue Umsetzung im Unklaren gelassen.“

Das geht auch Gernot Schmidt (SPD), dem Landrat von Märkisch-Oderland trotz seiner guten Kontakte ins Nachbarland nicht anders. „Die Brücke ist Sache der polnischen Zentralregierung, da wissen selbst die Kommunalpolitiker in der Grenzregion nichts“, sagt er. Erst wenn das deutsch-polnische Regierungsabkommen zum Brückenbau in Kraft trete, werde mit der polnischen Seite eine Planungsvereinbarung geschlossen.

„Erst dann wissen auch wir mehr zu Bauterminen und Verkehrsprognosen“, erklärt Steffen Streu, Sprecher im Brandenburger Infrastrukturministerium. Derzeit sei der Vertrag aber noch in der Prüfung durch die Europäische Union.

Was Wendland und seine Mitstreiter aber dennoch auf die Barrikaden treibt: Das Ministerium sieht die B1 für den zu erwartenden Warentransport-Ansturm gut ausgebaut. „Da ist nichts weiter geplant“, bestätigt Streu. Schon seit Jahren wird die Straße von Transportern genutzt, die die Autobahn-Maut umgehen wollen und erst kurz vor der deutsch-polnischen Grenze bei Frankfurt (Oder) wieder auf die A12 fahren.

„Ich befahre die B1 selbst regelmäßig und kenne die Probleme von kilometerlangen Autokolonnen bis hin zu Lkw-Rennen nur zu gut“, sagt die Abgeordnete Augustin. „Einem weiteren massiven Anstieg des Verkehrs auch mit Schwerlasttransportern ist die Trasse keinesfalls gewachsen.“ Im Potsdamer Ministerium sei niemand darauf vorbereitet, „was da auf uns zukommt“, so ihr Eindruck.

Die Infrastruktur muss im Vorfeld der Brückenerneuerung ausgebaut werden, sind sich die Beteiligten in der Region zumindest einig. „Das reicht von Überholstrecken über Park- und Rastplätze für Transporter bis hin zu Tempo 30 für Brummis in den Ortsdurchfahrten oder auch Nachtfahrverboten“, bringt Bürgermeister Schütz die Erwartungen an das Land Brandenburg auf den Punkt.

Landrat Schmidt sichert seine Unterstützung zu, kündigt sogar nicht näher benannte Maßnahmen an, sollten die Forderungen aus der Region nicht berücksichtigt werden. Er weist aber auch darauf hin, dass zunächst eine Verkehrsprognoseplanung mit verlässlichen Zahlen notwendig sei.

„Um nicht länger im Nebel zu stochern, brauchen wir auch klare Aussagen zum Brückenneubau, zum Zeitplan und den Rahmenbedingungen vom Land“, sagt er. Diese Informationen ergäben sich erst aus den weiteren Planungen, sagt Ministeriumssprecher Streu. Er versichert, dass die Region darüber künftig regelmäßig informiert werden soll.

(dpa)