Am Beginn dieser Idee steht ein Stück preußischer Eisenbahngeschichte: Vor 150 Jahren – 1870 – wurden Bahnverbindungen von Frankfurt (Oder) und Cottbus ins damals deutsche Posen (heute Poznan) eingeweiht. Ein Verbindungspunkt dieser Strecken war die Stadt Bentschen (heute Zbaszyn).

Anschluss bis nach Sankt Petersburg

„Es entwickelte sich rasch ein reger Personen- und Güterverkehr, der ab 1880 in einem D-Zug kulminierte, der von Frankfurt/Main über Leipzig, Cottbus und Guben weiter bis ins ostpreußische Insterburg (heute Tschernjachowsk in der russischen Exklave Kaliningrad) und nach Eydtkuhnen (Tschernyschewskoje) an die Grenze zu Russland fuhr. Dort bestand Anschluss nach Sankt Petersburg.“ Das alles weiß Jürgen Murach zu berichten, der Polen-Beaufragte in der Berliner Senatsverwaltung für Verkehr ist.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Einschnitt: Poznan gehörte zum wiedergegründeten Polen und die Stadt Zbaszyn wurde zur Grenzstadt des Nachbarlandes. Die deutsche Reichsbahn baute damals den neuen Grenzbahnhof Neu Bentschen (Zbaszynek), zu dem täglich mehr als ein Dutzend Regionalzüge aus Frankfurt und Cottbus  fuhren.

Zweites Gleis als Reparationsleistung abgebaut

1945 folgte dann der Zusammenbruch: Das zweite Gleis zwischen Zbaszynek und dem neuen polnischen Grenzort Gubin wurde als Kriegs-Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut. Doch dann gewann für den polnischen Staat die Verbindung zwischen Posen und Zielona Góra (dem einstigen Grünberg) an Bedeutung. 1986 wurde sie durchgehend elektrifiziert.
So sah die Verbindung vor 150 Jahren aus - jetzt wird sie vielleicht wieder hergestellt.
So sah die Verbindung vor 150 Jahren aus - jetzt wird sie vielleicht wieder hergestellt.
© Foto: MMH
„Heute könnte man die alte Magistrale aus dem mitteldeutschen Raum nach Polen mit relativ geringem Aufwand reaktivieren“, ist Murach überzeugt. Denn zwischen Guben und dem polnischen Czerwiensk (bis 1945 Rothenburg) klafft lediglich eine 58 Kilometer lange Lücke, die noch nicht elektrifiziert wurde. „Auf deutscher Seite sind es sogar nur zwei Kilometer vom Bahnhof Guben bis zur Neißebrücke“, so der Bahnexperte.

Europäische Union kann beim Lückenschluss helfen

Auf die Tatsache, dass die Europäische Union ein Programm  hat, durch das solche kleinen Lücken mit großer Wirkung gestopft werden sollen, sind die deutschen und polnischen Interessenten längst gestoßen. Beim „Runden Tisch Verkehr“, den die ostdeutschen Bundesländer mit vier westpolnischen Woiwodschaften geschaffen haben, war die Trasse schon mehrfach Thema. Sowohl der der Regierungspartei PiS angehörende Woiwode des Lebuser Landes, Wladyslaw Dajczak, als auch die Marschallin der Woiwodschaft, Elzbieta Polak, haben dem Brandenburger Infrastrukturministerium signalisiert, dass man sich  um die Aufnahme dieser Strecke in das polnische Elektrifizierungs-Programm „Kolej+“ (Eisenbahn+) bemühen würde. Ein fachkundiger Polen-Beauftrager der Brandenburger Landesregierung – den es laut dem Kenia-Koalitionsvertrag künftig geben soll – könnte diese Ansätze aufnehmen.

Gemeinsame Lobbystrategie zum 150.

„Das im kommenden Jahr anstehende 150-jährige Jubiläum dieser Bahnverbindung sollten wir für eine gemeinsame Lobbystrategie gegenüber den nationalen Ebenen und der EU nutzen“, ist Jürgen Murach überzeugt. Auch Sachsen müsste einbezogen werden. Da trifft es sich günstig, dass der nächste „Runde Tisch Verkehr“ am 19. November in Görlitz stattfindet.