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| 17:40 Uhr

Polen
Mit Keplers Kutsche durch Cottbus?

Morgendliche Ruhe vor dem Raumflugplanetarium Cottbus. Am Nachmittag kommen vor allem Kinder und Jugendliche . Abends stehen Programme für Erwachsene auf dem Plan.
Morgendliche Ruhe vor dem Raumflugplanetarium Cottbus. Am Nachmittag kommen vor allem Kinder und Jugendliche . Abends stehen Programme für Erwachsene auf dem Plan. FOTO: LVerena UferR / LR
Cottbus. Das Cottbuser Raumflugplanetarium ist seit vielen Jahren Besuchermagnet auch für Gäste aus Polen und hat Partner im Nachbarland. Gerd Thiele, der Chef des Hauses, würde gern die außergewöhnliche Idee eines Freundes verwirklichen. Von Verena Ufer

„Außer unseren Programmen in ihrer Muttersprache ist es vor allem die familiäre Atmosphäre, die es unseren Besuchern aus Polen angetan hat“, sagt der Leiter des Cottbuser Raumflugplanetariums, Gerd Thiele, mit Stolz. „Solche Komplimente hören wir oft nach Veranstaltungen.“

1270 Gäste aus dem Nachbarland reisten im vergangenen Jahr an, um in dem barrierefreien Haus mit der charakteristischen Kuppel einen Blick in die Sterne zu werfen. Es trägt den Namen des ersten Menschen im Weltall, „Juri Gagarin“. Viele reisen aus Zielona Góra, früher Grünberg, der Partnerstadt von Cottbus, an. Aber sie kommen auch aus der Umgebung der etwa 130 000 Einwohner zählenden Universitätsstadt, die touristisch seit einigen Jahren wieder stark auf die jahrhundertealten Traditionen des Weinanbaus setzt.

„Bis vor etwa zwei Jahren kamen noch sehr viel mehr Schulklassen und Touristen“, erinnert sich Thiele ein bisschen wehmütig. „In manchen Jahren um die 3000.“ Doch 2015 öffnete in Zielona Góra, einer der beiden Hauptstädte der Woiwodschaft Lubuskie – die andere ist Gorzów – ebenfalls ein modernes Planetarium mit viel Potenzial seine Pforten in einem ehemaligen Kino in der City. Wenn man dies bedenke, sei die aktuelle Gästezahl recht beachtlich, so Thiele. Das Planetarium arbeite eng mit verschiedenen polnischen Reisebüros, aber auch mit der Cottbus Information zusammen, sagt Thiele. Sein Haus sei zumeist eine Station von Rundreisen durch Cottbus und die nähere Umgebung. Mit im „Paket“: Tierpark und Parkeisenbahn in Cottbus und die Confiserie Felicitas in Hornow bei Spremberg. Alle sind auf polnische Besucher eingestellt. Aber auch der Besuch von Weihnachts- und anderen traditionellen Märkten werde gern mit einem Erlebnis im Planetarium verbunden, ergänzt Thiele. „Polnische Besucher legen sehr viel Wert auf Kultur bei ihren Ausflügen“, hebt der Planetariumsleiter hervor.

Acht Programme in der Sprache der Nachbarn – vier für Kinder und vier für Erwachsene – hält das Haus am Lindenplatz im Stadtteil Sandow bereit. Für einige dieser Produktionen standen EU-Mittel bereit. Die Programme wurden aus dem Deutschen ins Polnische übersetzt, auch eine Planetariumsmitarbeiterin habe sich daran beteiligt, berichtet Thiele. Im Tonstudio des Planetariums wurden die neuen Sprachfassungen dann meist mit polnischen Muttersprachlern produziert.

„Auch das Astronomische Institut  der Universität in Zielona Góra stand uns zur Seite und hat Übersetzungen auf wissenschaftliche Korrektheit hin überprüft“, betont der Planetariumschef. Besonders eng seien über eine lange Zeit die Kontakte zu Professor Janusz Gil vom Institut gewesen, der vor zwei Jahren, kurz vor der Eröffnung des Planetariums in Zielona Góra – ein Lebenstraum des Wissenschaftlers – gestorben sei.

Das Foto vor dem alten Sternenprojektor zeigt Kurt Newiak, Peter Rahmfeld und Janusz Gil bei der Übergabe des Kooperationsvertrages zwischen Planetarium und Astronomischem Institut im Jahr 2006. Foto: privat
Das Foto vor dem alten Sternenprojektor zeigt Kurt Newiak, Peter Rahmfeld und Janusz Gil bei der Übergabe des Kooperationsvertrages zwischen Planetarium und Astronomischem Institut im Jahr 2006. Foto: privat FOTO: privat / Raumflugplantarium Cottbus

Bei der Erinnerung an den anerkannten polnischen Astronomen gerät Gerd Thiele regelrecht ins Schwärmen. „Die Zusammenarbeit mit ihm hat großen Spaß gemacht. Wir haben oft stundenlang zusammengesessen, gefachsimpelt und manchmal auch ziemlich kühne Pläne geschmiedet“, erklärt er mit einem Augenzwinkern – und verrät einen, den er, wie es scheint, noch nicht restlos aufgegeben hat. Im Mittelpunkt: der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571-1630), der einst drei Jahre in Sagan, heute Zagan, im Dienste Wallensteins wirkte. Er entdeckte die Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich Planeten um die Sonne bewegen, die „Keplerschen Gesetze“. Seine letzte große Reise führte ihn 1630  nach Regensburg, um – so ist es überliefert – auch mit Kaiser Ferdinand II über ausstehenden Sold zu verhandeln. Bald nach seiner Ankunft starb er dort.

Janusz Gils Idee sei es gewesen, die Fahrt Keplers mit der Pferdekutsche von Zagan/Sagan nach Regensburg nachzufahren: über Leipzig, Nürnberg und, so der Wunsch Thieles, zwischendrin auch über den Cottbuser Altmarkt­. . . „Man weiß es ja nicht genau“, begründet er seine These: „Aber höchstwahrscheinlich ist Kepler auf der Salzstraße unterwegs gewesen und dabei auch durch Cottbus gekommen.“ Gerd Thiele seufzt ein bisschen. „Leider ist daraus nichts mehr geworden! Die Zusammenarbeit mit dem Astronomischen Institut sei seit Gils Tod ein wenig eingeschlafen. Aber sie werde bestimmt wieder intensiviert. Das Cottbuser Team würde gern die Kooperation mit dem Planetarium und dem Institut in Zielona Góra weiter vertiefen. „Ein bisschen sind wir ja auch neidisch auf die astronomischen Ereignisse und Traditionen, die unsere Partnerstadt vorzuweisen hat“, gesteht der Planetariumschef.

So ging nahe Grünberg 1841 ein ungefähr ein Kilogramm schwerer Meteorit nieder. „Und bei der Suche soll damals ein Junge namens Wilhelm Julius Foerster (1832-1921) dabeigewesen sein. Aus ihm wurde später in Berlin ein berühmter Astronom und Direktor der Sternwarte“, erzählt der Cottbuser Astronom. Foerster habe einst die Forscher in seiner Geburtsstadt von Berlin aus mit dringend benötigtem wissenschaftlichen Gerät unterstützt.

„Eine Sternwarte in der Hauptstadt  trägt Foersters Namen“, ergänzt Thiele. Und in Wilkanowo, einem kleinen Ort bei Zielona Gora, 

erinnere ein kleiner Gedenkstein an den Meteoriten. Das neue Planetarium „Wenus“ wiederum lädt im Johannes-Kepler-Wissenschaftszentrum von Zielona Góra ein.

Ein Foto von 2006, als Planetarium und Astronomisches Institut Zielona Gora ihre Kooperationsvereinbarung unterzeichneten: Der damalige Vereinsvorsitzende Kurt Newiak (l.), Gerd Thiele und Peter Rahmfeld (r.), heute Vereinschef, fachsimpeln mit Janusz Gil (M.).
Ein Foto von 2006, als Planetarium und Astronomisches Institut Zielona Gora ihre Kooperationsvereinbarung unterzeichneten: Der damalige Vereinsvorsitzende Kurt Newiak (l.), Gerd Thiele und Peter Rahmfeld (r.), heute Vereinschef, fachsimpeln mit Janusz Gil (M.). FOTO: privat / Raumflugplanetarium
Gerd Thiele, Leiter des Planetariums, freut sich über viele polnische Gäste. Flyer gibt es auch für die Produktionen in polnischer Sprache.
Gerd Thiele, Leiter des Planetariums, freut sich über viele polnische Gäste. Flyer gibt es auch für die Produktionen in polnischer Sprache. FOTO: verena Ufer / LR
Auch polnische Flyer liegen im Raumflugplanetatium Cottbus aus. Foto: Verena Ufer
Auch polnische Flyer liegen im Raumflugplanetatium Cottbus aus. Foto: Verena Ufer FOTO: Verena Ufer / LR
Ein Gemälde zeigt den deutschen Astronomen Johannes Kepler, der auch in Polen Spuren hinterließ.
Ein Gemälde zeigt den deutschen Astronomen Johannes Kepler, der auch in Polen Spuren hinterließ. FOTO: dpa