Um die Ausbreitung von Corona stärker einzudämmen, setzt Polen auf strengere Regeln. Das geht aus einer Information auf der Regierungswebseite www.gov.pl hervor. Wie Premierminister Mateusz Morawiecki informiert, werden Bildungseinrichtungen bis zum 10. April geschlossen bleiben.

6500 Euro Strafe bei Verstößen

Außerdem werden ab sofort höhere Strafen für Personen verhängt, die die Quarantäne nicht einhalten. „Der Staat kann nicht nachsichtig sein, wenn dessen Wirksamkeit an der Zahl der Infizierten gemessen wird und der Preis für den Ungehorsam die Gesundheit oder das Leben eines Menschen ist“, so der Minister. Deshalb sei die Strafe für die Nichteinhaltung der Quarantäne von 5000 (umgerechnet rund 210 Euro) auf 30 000 Złoty (rund 6500 Euro) angehoben worden.

In Polen gilt ein sogenannter epidemischer Notstand. Das bedeutet, dass das Gesundheitsministerium und die Gouverneure der polnischen Provinzen medizinischem Personal und anderen Personen Aufgaben im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus zuweisen können, informierte Gesundheitsminister Lukasz Szumowski bereits am Freitag in Warschau.

Beschlagnahmter Alkohol zur Desinfektion

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt Polens Regierung aber noch auf etwas ganz anderes: auf Wodka. Laut Nachrichtenagentur afp wurden Feuerwehren und Krankenhäuser in Polen bereits mit beschlagnahmten Wodka und illegal hergestelltem Alkohol beliefert. Knapp eine halbe Million Liter geschmuggelter Wodka und illegal produzierter Alkohol kommen demnach als Desinfektionsmittel zum Einsatz.

Die Zoll- und Steuerbehörden verwahrten laut Generalstaatsanwaltschaft mindestens 430 000 Liter Wodka, Spiritus und verunreinigten Alkohol. Die beschlagnahmten oder nach Verfahrensschluss konfiszierten Beweismittel werden zur Desinfektion von Gebäuden und Verkehrsmitteln benutzt.

Die Feuerwehr im nordostpolnischen Olsztyn habe 1000 Liter reinen Alkohol erhalten, zwei Krankenhäuser der Stadt und eine Klinik in Elblag hätten insgesamt 2500 Liter bekommen, sagte eine Sprecherin der regionalen Zollverwaltung.

In den nächsten Tagen sollen Polizei, Grenzschutz und öffentliche Verwaltung versorgt werden. In Polen werden immer wieder illegale Brennereien entdeckt.

Vorm PC hocken? Ja, bitte!

Auch im Bereich Freizeitbeschäftigung hat sich Polen etwas einfallen lassen. Werden Kinder und Jugendliche üblicherweise aufgefordert, weniger am Computer zu sitzen und an die frische Luft zu gehen, geht es bei der  vom polnischen Ministerium für digitale Angelegenheiten geförderten Internetseite https://grarantanna.pl ums Gegenteil. Mit Online-Rollenspielen, Logikrätseln, Webinare und verschiedene Quizze sollen die Kinder und Jugendlichen zu Hause beschäftigt werden.

Es wurde auch ein Minecraft-Wettbewerb gestartet und dafür ein gesonderter Server aufgesetzt, wie das Nachrichtenportal Heise online schreibt. In dem Spiel können aus zumeist würfelförmigen Blöcken in einer 3D-Welt Bauwerke und Konstruktionen errichtet werden. Ressourcen sammeln, gegen Monster kämpfen oder die Blöcke zu anderen Gegenständen weiter verarbeiten sind weitere Optionen des Spiels.

Bis zum Freitag können Polen im Alter von bis zu 20 Jahren jeweils auf einem 64 mal 64 Blöcke großen Minecraft-Grundstück um die Wette bauen. Der Organisator NeverLight kürt am Ende vier Gewinner, die das imposanteste virtuelle Kunstwerk geschaffen haben. Zu gewinnen sind ein Paket mit Kopfhörern, Maus und PC-Tastatur.

NeverLight zeigt die vier Siegerkunstwerke am 30. März ab 20 Uhr auf seiner Facebook-Seite.

Aktuelle Fallzahlen und Grenzverkehr in Polen


Mit Stand 24. März (19 Uhr) haben sich in Polen 844 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Am Dienstag sind zwei weitere Menschen an den Folgen der Infektion gestorben, womit die Zahl der Todesfälle auf zehn gestiegen ist.

Nachdem an der deutsch-polnischen Grenze zur Eindämmung des Coronavirus Einreisekontrollen eingeführt worden, kam es teilweise zu bis zu 40 Kilometer langen Staus. Autofahrer mussten stundenlang warten. Am Sonntag sei der Verkehr an allen Grenzübergängen wieder ungehindert geflossen, wie der polnische Grenzschutz mitteilte.