Polen hat am Samstag, 14. November, so viele Corona-Tote gemeldet wie noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr. Innerhalb von 24 Stunden seien 548 Menschen mit dem Virus gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Warschau mit. Damit gibt es in Polen inzwischen mehr als 10.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Innerhalb eines Tages kamen zudem fast 25.600 Neuinfektionen hinzu. Der bisherige Rekordwert war mit 27.875 Neuinfektionen am vergangenen Samstag erreicht worden. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen 83 Millionen Einwohnern wurde am Samstag ein Anstieg von 22.461 neuen Fällen gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg hier am Samstag um 178 auf insgesamt 12.378.
Die Gesamtzahl der Infektionen in Polen ist seit dem Ausbruch der Pandemie im Frühjahr auf mehr als 691.118 geklettert, wie Daten des Gesundheitsministeriums und der Johns-Hopkins-Universität (Stand: 14. November, 13 Uhr) belegen. Polen wird von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft.
Angesichts dieses massiven Anstiegs der Zahl der Corona-Neuinfektionen führt Polen weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder ein. Das Land sei nur einen Schritt entfernt von einer „nationalen Quarantäne“ und einem kompletten Lockdown, sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki vor Kurzem in Warschau. „Wir müssen unser Gesundheitssystem schützen, damit wir die Menschen schützen können.“
Seit vergangenen Samstag sind Kultureinrichtungen, Kinos und Theater geschlossen. Das gleiche gilt für Geschäfte in Einkaufszentren, mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken. Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. In den Schulen gilt landesweit Fernunterricht nun auch für die Schüler der ersten bis dritten Klassen, für alle anderen wird der Fernunterricht verlängert. Die Einschränkungen sollen bis zum 29. November gelten. Sollten die Beschränkungen keine Wirkung zeigen, müsse „in einer Woche, in zehn Tagen“ eine „landesweite Quarantäne“ verhängt werden, erklärte Morawiecki. "Das wird sehr schmerzhaft sein."

Cottbus/Berlin

Polen ist offiziell Corona-Risikogebiet

Seit Samstag, 24. Oktober, ist ganz Polen offiziell Corona-Risikogebiet. Die Regelung von Bundesgesundheitsministerium, Auswärtigem Amt und Bundesinnenministerium ist seit 0 Uhr in Kraft. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Liste der neu ausgewiesenen Risikogebiete am Donnerstag, 22. Oktober, veröffentlicht
Das hat Auswirkungen für Reisende, die im Nachbarland zum Beispiel Einkaufen oder Tanken möchten, betont das Brandenburger Gesundheitsministerium.
Nach der gelten-den SARS-CoV-2-Quarantäneverordnung seien alle Personen, die aus einem ausländischen Corona-Risikogebiet in das Land Brandenburg einreisen, grundsätzlich verpflichtet, sich unverzüglich nach ihrer Einreise für einen Zeitraum von 10 Tagen in die häusliche Quarantäne zu begeben. Die Brandenburger Landesregierung hat für Polen allerdings die Quarantäne-Verordnung  angepasst: Der kleine Grenzverkehr zwischen Brandenburg und Polen ist damit ohne Quarantäne-Verpflichtung möglich. Das teilte die Staatskanzlei mit. Die neue Verordnung sehe Ausnahmeregelungen für bestimmte Personen- und Berufsgruppen vor. Das betrifft nach den Angaben Berufspendler, Schüler oder auch Studierende. Auch enge Verwandte sind von der Quarantänepflicht ausgenommen.

Kleiner Grenzverkehr gilt nicht mehr in Sachsen

Der kleine Grenzverkehr nach Tschechien und Polen wird ab Dienstag, 17. November, eingeschränkt. Dann müssen Grenzpendler auf besondere Corona-Regeln Rücksicht nehmen. Tanken und Einkaufen, auch nur für einen kurzen Aufenthalt im Nachbarland Polen oder Tschechien, zieht dann eine 14-tägige Quarantäne nach sich.
Zudem Personen dürfen nur noch für maximal zwölf Stunden ohne Quarantänepflicht aus einem ausländischen Risikogebiet nach Sachsen einreisen oder sich für weniger als zwölf Stunden im ausländischen Risikogebiet aufhalten, wenn sie einen triftigen Grund haben. Dazu zählen berufliche, soziale oder medizinische Gründe.

Was ist in Polen geschlossen und was offen?

Restaurants sind grundsätzlich geschlossen, nur Mitnahme- und Lieferservice ist erlaubt. In Läden und Poststellen bis zu 100 Quadratmetern dürfen sich fünf Kunden pro Kasse gleichzeitig aufhalten. Ab 100 Quadratmetern ist die max. Kundenzahl auf eine Person pro 15 Quadratmeter begrenzt. Seit dem 7. November haben in Einkaufszentren nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien und Dienstleistungsanbieter geöffnet. Montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr ist Senioren das Einkaufen in Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken vorbehalten. Senioren über 70 dürfen ihre Wohnung nur mit dem Ziel der dienstlichen oder beruflichen Tätigkeit, für unbedingte Bedürfnisse des täglichen Lebens und zur Teilnahme an religiösen Veranstaltungen verlassen. Im öffentlichen Nahverkehr beträgt die Personenobergrenze 30 Prozent aller Sitz- und Stehplätze oder 50 Prozent aller Sitzplätze. Bei öffentlichen und privaten Versammlungen beträgt die maximale Personenzahl fünf, bei religiösen Zusammenkünften liegt sie bei einer Person pro sieben Quadratmeter. Bei Treffen im häuslichen Raum sowie bei dienstlichen und beruflichen Veranstaltungen und Terminen beträgt die maximale Personenzahl 20. Hochzeiten und private Feiern sind untersagt. Ab dem 7. November sind Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen geschlossen, bis dahin aber noch eingeschränkt mit 25 Prozent Platzbelegung unter Einhaltung der Abstandsregeln und Maskenpflicht zugelassen. Diskotheken und Clubs sind geschlossen. Sportveranstaltungen finden ohne Publikum statt. Kureinrichtungen, Fitnesseinrichtungen, Schwimmbäder und Aquaparks sind grundsätzlich geschlossen.
Seit dem 7. November sind außerdem Übernachtungen in Hotels nur noch Geschäftsreisenden erlaubt. In Hotels können Restaurants für Hotelgäste öffnen, die mindestens einen Tagesaufenthalt buchen; gleiches gilt für die Nutzung von Schwimmbädern und Fitnessräumen von Hotels. Der Schul- und Hochschulbetrieb ist stark eingeschränkt. Von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr dürfen Kinder unter 16 Jahren den Wohnbereich nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen verlassen.
Die öffentliche Verwaltung arbeitet überwiegend im Homeoffice. Es besteht eine Empfehlung der Regierung an die Bevölkerung, wenn möglich zu Hause zu bleiben.