Seit Anfang Februar hat Polens nationalkonservative PiS-Regierung die Wiedereröffnung von Einkaufszentren, Museen und Kunstgalerien erlaubt. Hotels, Kinos, Sporteinrichtungen und Schwimmbäder bleiben aber mindestens bis Mitte Februar geschlossen, Restaurants dürfen bis dahin ihre Speisen nur außer Haus verkaufen.
Gegen diese Regelung wächst der Widerstand im Land. Der Polnische Fitnessverband kündigte in der vergangenen Woche an, dass 1600 Fitnessstudios zum 1. Februar wieder öffnen wollen – trotz der Lockdown-Bestimmungen. Am Wochenende musste die Polizei zudem in mehreren Städten Nachtclubs schließen, die entgegen aller Bestimmungen geöffnet hatten.

Corona in Polen: Tränengas gegen Feiernde in einer Diskothek

Mit Schlagstöcken und Tränengas ist die Polizei in Polen gegen Feiernde in einer Diskothek vorgegangen, die trotz der Corona-Einschränkungen geöffnet hatte. Nach Polizeiangaben vom Sonntag nahmen fast 150 Beamte an der Razzia in der südlichen Stadt Rybnik teil. In dem Lokal waren demnach mehrere hundert Partygäste versammelt.
Die Mehrheit der Feiernden sei betrunken gewesen und habe sich „aggressiv“ verhalten, erklärte die Polizei. „Sie griffen die Beamten mit gefährlichen Gegenständen an.“ Diese hätten daraufhin „Tränengasbomben, Schlagstöcke und Schallgranaten“ gegen die Clubbesucher eingesetzt. Zwei Polizisten wurden demnach verletzt und drei Clubbesucher festgenommen.
Auch in Breslau kam es zu mehreren Razzien in Diskotheken. Die von den Behörden verhängten Corona-Maßnahmen einschließlich der Schließung von Diskotheken sorgen in Polen zunehmend für Unmut. Zuletzt hatten mehrere Betreiber angekündigt, ihre Lokale trotz drohender Geldbußen zu öffnen.
Das größte polnische Oppositionsbündnis, die liberalkonservative Bürgerkoalition, hat eine schnellere Lockerung des Lockdowns für Unternehmen und Dienstleister gefordert. „Wir verlangen die Wiedereröffnung der Wirtschaft im Rahmen der Schutzauflagen, damit die Polen arbeiten können, damit die Menschen die Erleichterung verspüren können, die die Regierung ihnen nicht verschafft“, sagte Fraktionschef Cezary Tomczyk am Montag in Warschau.

Polen will ältere Menschen nicht mit Astrazeneca-Mittel impfen

Polen wird ältere Menschen voraussichtlich nicht mit dem Vakzin des Herstellers Astrazeneca gegen Corona impfen. Die endgültige Entscheidung darüber liege bei dem Medizinischen Rat, der Regierungschef Mateusz Morawiecki berate, sagte Chef der Regierungskanzlei, Michal Dworczyk, am Montag in Warschau.
Die EU hatte am Freitag dem Impfstoff von Astrazeneca eine Zulassung erteilt, und zwar für Erwachsene ab 18 Jahren ohne eine Altersbegrenzung. Die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission hingegen empfahl den Astrazeneca-Impfstoff nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren.
Polen erwartet seine erste Lieferung Astrazeneca-Impfstoffs zum 9. Februar. Nach Angaben der Regierung in Warschau hat das EU-Land bereits 1,2 Millionen Impfdosen verbraucht, die meisten davon mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech. Rund 200.000 Menschen haben bereits ihre zweite Impfung erhalten. Laut Dworczyk seien mittlerweile 94 Prozent der Ärzte und 80 Prozent der Pflegeheimbewohner geimpft.
Dworczyk beklagte die Verzögerung bei den Impfstoff-Lieferungen. Polen habe mit neun Millionen Dosen bis zum Ende des ersten Quartals 2021 gerechnet, voraussichtlich würden aber nur sechs Millionen geliefert. Gesundheitsminister Adam Niedzielski sagte, der Lockdown könne nur vorsichtig gelockert werden, da man es sich nicht leisten könne, dass das Impfprogramm mit einer dritten Welle von Corona-Infektionen zusammenfalle.

Das sind die aktuellen Corona-Zahlen aus Polen

In Polen haben sich seit Beginn der Pandemie mehr als 1,52 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das geht aus Zahlen der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität hervor. Innerhalb von 24 Stunden stieg die Zahl der Neuinfektionen zum Montag, 1. Februar, um 2504 Fälle an. Vor einer Woche lag diese Zahl an einem Montag noch bei 5601 Fällen. Damit hat der Lockdown in Polen zu einem starken Absinken der Neuinfektionszahlen geführt. Noch am 24. November wurden mehr als 30.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet. Die Todeszahlen nach einer Coronainfektion stiegen am Montag innerhalb von 24 Stunden um 302 Fälle. Insgesamt sind in Polen 37.476 Menschen nach einer Coronainfektion gestorben.