Am kommenden Sonntag hofft man in der riesigen Shopping-Mall „Galaxy“ im Zentrum von Stettin nochmal auf Rekordumsätze. „Das Weihnachtsgeschäft lief sehr gut, auch dank der vielen deutschen Kunden.“ Nun bleibe noch ein verkaufsoffener Sonntag. Das sagt Arkadiusz Kuczynski, der in dem glitzernden Palast einen Modeshop leitet.

Ab dem kommenden Jahr bleiben die meisten Läden des Nachbarlandes sonntags aber geschlossen. „Insgesamt werden wir nur noch an sieben Sonntagen öffnen, so ähnlich wie bei euch in Deutschland“, erläutert Kuczynski. So sieht es ein Gesetz vor, das schon seit dem vergangenen Jahr stufenweise in Kraft getreten ist. Gehörte Polen bis dahin aus Sicht der Kunden noch zu den Einkaufsparadiesen, in denen viele Shops auch sonntags bis 20 Uhr geöffnet waren, hat sich dies inzwischen geändert.

Auf Druck der katholischen Kirche sowie der Gewerkschaft Solidarnosc hat die national-konservative PiS-Regierung den Sonntagshandel immer weiter begrenzt. In diesem Jahr konnten sich Bewohner und Besucher des Nachbarlands noch darauf verlassen, dass immer der letzte Sonntag im Monat verkaufsoffen war. Dass es jetzt im Dezember gleich drei Shopping-Wochenenden in Folge gibt, ist nur eine letztmalige Ausnahme.

Sonntagshandel nur zu besonderen Anlässen

Künftig muss der Einzelhandel auf besondere Anlässe für den Sonntagshandel verweisen. Die beiden ersten werden 2020 ein Winterschlussverkauf am 26. Januar sowie der Sonntag vor Ostern (5. April) sein.

Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass sich die meisten Kunden durch den stufenweisen Übergang an die neuen Bedingungen gewöhnt haben. Zumal es auch Ausnahmen für Tankstellen oder Läden an Bahnhöfen gibt.

Von einer weiteren Ausnahme,  nämlich der, dass die Besitzer von kleineren Läden auch sonntags öffnen dürfen, wenn sie ihr Geschäft an diesem Tag selbst betreiben, profitieren auch die Händler auf den Grenzbasaren entlang von Oder und Neiße. „Wenn wir nicht mehr sonntags handeln dürften, müssten wir gleich zumachen“, berichtet Grazyna Stefanczuk, die auf dem Basar von Kostrzyn Lebensmittel und Zigaretten verkauft. „Denn an den Wochenenden kommen doch die meisten deutschen Kunden“, erläutert sie.

Viele Polen haben mittlerweile jedoch ein ganz anderes Problem: Denn die Preise für viele Dinge sind im Nachbarland seit einiger Zeit deutlich gestiegen. Staatspräsident Andrzej Duda, der in der vergangenen Woche bei einem Bürgerforum in einer Kleinstadt darauf angesprochen wurde, lieferte dafür die Erklärung: „Wenn die Löhne und Gehälter steigen, dann steigen automatisch auch die Preise.“

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