In Warschau gehen die meisten Experten inzwischen davon aus, dass die im Oktober wiedergewählte Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk einen „Geheimplan“ zur Euro-Einführung verfolgt. Demnach könnte sich Polen 2013 dem europäischen Wechselkursmechanismus II anschließen. Die Landeswährung Zloty dürfte dann zwei Jahre lang nur noch in einem Korridor von rund 15 Prozent im Vergleich zum Euro schwanken. Am Ende würde der Beitritt zur Währungsunion am 1. Januar 2015 stehen.

Das Land hält bereits jetzt mit einer Gesamtverschuldung von 53 Prozent die Maastrichter 60-Prozent-Grenze ein und ist auch bei der Inflationsbekämpfung auf einem guten Weg. Öffentlich bekennen will sich Tusk bislang nur zu dem „strategischen Ziel“ des Euro-Beitritts. Details nennt der Regierungschef nicht, um angesichts der weltwirtschaftlichen Verwerfungen jederzeit flexibel reagieren zu können. Vor vier Jahren hatte Tusk bereits einmal den Beitritt zum Euro-Raum für 2012 in Aussicht gestellt und musste in der Finanzkrise 2008 einen Rückzieher machen. Zugleich möchte Tusk seine Landsleute mit den ehrgeizigen Euro-Plänen nicht verunsichern.

D ie Zustimmung zur Währungsunion war in Polen angesichts der Schuldenkrise zuletzt dramatisch gesunken. Umfragen zufolge wollen drei Viertel der Bürger am Zloty festhalten. 2009 waren dies nur rund 50 Prozent. Vertreter der polnischen Wirtschaft sind optimistischer. 55 Prozent der Unternehmer sind für eine schnelle Euro-Einführung. Polen hat schon 1997 eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert und glänzt seit Jahren mit stabilen Wachstumsraten . Kommentar Seite 2