Bisher mussten Studienanfänger für sorbisches Lehramt Sprachkenntnisse in Ober- oder Niedersorbisch vorweisen. Doch diese Hürde könnte bald wegfallen. Es werde geprüft, ob auf die sprachlichen Anforderungen verzichtet werden könne, "um Bewerbern mit Sprachkenntnissen in anderen slawischen Sprachen den Zugang zum Lehramtsstudium" zu ermöglichen. Das erklärten Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Dresden.

Der Nachwuchs an sorbischen Muttersprachlern reicht längst nicht mehr aus, um den Unterricht an den zweisprachigen Schulen dauerhaft zu sichern. Deshalb richten sich die Blicke nun auf junge Nicht-Sorben, die wenigstens polnische, tschechische, slowakische oder russische Sprachkenntnisse mitbringen.

Zudem sollen fertig ausgebildete Lehrer aus Polen, Tschechien und der Slowakei für den Einsatz im Sorbenland begeistert werden. Die Sprachen sind schließlich verwandt.

Die Werbung könnte über die Verbindungsbüros laufen, die die Dresdner Staatskanzlei in Breslau und Prag unterhält. Diese Art der Rekrutierung könnte aufgehen, meint Eduard Werner, Leiter des Instituts für Sorabistik an der Uni Leipzig: "Wir hatten schon einzelne Bewerber aus Polen am Institut, die haben sich sehr gut gemacht." Doch solche Nullsprachler - Interessenten ohne Sorbisch-Vorkenntnisse - haben es schwerer und brauchen mehr Betreuung. "Mit unseren Kapazitäten können wir das nicht stemmen", sagt Werner. Aktuell bildet er mit 4,5 Personalstellen 30 Sorabisten aus. Pro Jahr beginnen fünf bis acht junge Leute ein Studium am einzigen Sorabistik-Institut - im Schnitt lernen zwei von ihnen Niedersorbisch.

Bis jetzt sind es bloß Überlegungen, denn für die Studien- und Prüfungsordnung entscheidet die Fakultät der Uni Leipzig. Ministerin Stange hält die Kapazitäten der Sorabisten zwar für ausreichend, "es mangelt aber an geeigneten Bewerbern".

Darüber hinaus will Sachsen ein Stipendium auflegen für Abiturienten sorbischer Gymnasien, die ein Lehramtsstudium für Sorbisch beginnen. Einen Bonus beim Sachsenstipendium für sorbisch sprechende Bewerber gibt es bereits, er soll auch erhalten bleiben.

Ansonsten gilt: Werbung, Werbung, Werbung. Bisher wurden vor allem die Schüler des Sorbischen Gymnasiums Bautzen und des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda freundlich auf das Lehramtsstudium hingewiesen. Jetzt will man auch an die Beruflichen Gymnasien in Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda ran. Auch Schüler der binationalen Bildungsgänge in Pirna und Görlitz kommen in Frage, ebenso wie Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf aus dem Sorbengebiet.

Von der Werbung verspricht sich Eduard Werner indes nicht so viel. Da sei "längst alles abgegrast".