Das Titelbild mit Vertriebenenchefin Erika Steinbach in SS-Uniform, das auch über die Grenzen Polens hinweg Schlagzeilen machte, war da nur die Spitze des Eisbergs. Auch im Wahlkampf des vergangenen Jahres wurde die antideutsche Karte von konservativen Politikern gerne ausgespielt. Die Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten Studie des polnischen Sozialwissenschaftlers Mateusz Falkowski über das Deutschen-Bild seiner Landsleute weisen aber in eine andere Richtung.
Bei der Befragung von mehr als tausend Polen Ende vergangenen Jahres stellte sich heraus: Die Mehrheit der Polen hat zwar bei den Wahlen den deutsch-skeptischen Politikern die Stimme gegeben, hat aber ein überwiegend gutes Bild von den Deutschen. Im Vergleich zu einer ähnlichen Befragung im Jahr 2000 sind die Deutschen den Polen zunehmend sympathischer geworden.
Konnte sich damals nur jeder zweite vorstellen, einen deutschen Freund zu haben, waren das Ende 2005 bereits zwei Drittel. Vor allem in der Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen wird Sympathie für die Deutschen bekundet. Und während 1989 noch 88 Prozent der Polen Ängste in Bezug auf Deutschland äußerten, sind es nun nur noch 21 Prozent. Seit dem EU-Beitritt Polens wird Deutschland trotz noch bestehender Beschränkungen immer mehr als Chance für Arbeit gesehen.
Der Warschauer Ingenieur Stanislaw Mirowski erinnert sich noch heute gerne an einen einjährigen Arbeitsaufenthalt in Hamburg. "Alles ist so gut organisiert in Deutschland, bei der Arbeit funktionierte alles", schwärmt er. Seine Frau Dorota erinnert sich gerne an gepflegte Vorgärten und Hausfassaden. Die Posener Ärztin Kinga Liska denkt fast wehmütig an ihr sechsmonatiges Praktikum in einer deutschen Klinik zurück: "Es gab keine Korruption, und die Ausstattung war so, dass wir an einem staatlichen Krankenhaus nur davon träumen können."
Auch viele Polen, die nie länger in Deutschland waren, teilen diese Einstellung: Ein Drittel der von Falkowski befragten Polen verbindet mit Deutschland Begriffe wie Ordnung, Arbeitseifer und Disziplin. Für mehr als ein Fünftel steht Deutschland für Wohlstand und hohen Lebensstandard. Nur noch 36 Prozent der Polen denken als erstes an die deutsche Besatzung und Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.
Wenn mittlerweile immerhin 62 Prozent der Polen einen deutschen Schwiegersohn oder eine deutsche Schwiegertochter in der Familie willkommen heißen würden, ist das auch Steffen Möller zu verdanken. Neben Erika Steinbach und Papst Benedikt XVI. gehört der Kabarettist und Schauspieler zu den in Polen bekanntesten Deutschen. In der Serie "M jak milosc" (L wie Liebe) spielt der Wuppertaler den Bauern Stefan, der nach Polen kommt, um Kartoffeln anzubauen und sich - wie könnte es anders sein - in eine Polin verliebt. Seitdem findet nicht nur Möller-Fan Dorota Mirowska: "Die Deutschen sind zwar anders als wir, aber eigentlich ganz sympathisch."