Bei dem Absturz der Präsidentenmaschine waren am 10. April 2010 Staatschef Lech Kaczynski und 95 weitere hochrangige Vertreter der polnischen Nation ums Leben gekommen.

Der rechtskonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski sprach offener als je zuvor von einem "Mord" an seinem Bruder. Absolute Gewissheit habe er zwar nicht, gestand der ehemalige Regierungschef zu. "Alles deutet aber auf einen Anschlag hin", sagte Kaczynski, der auch zwei Jahre nach der Tragödie weiterhin Schwarz trägt. "Ich werde immer in Trauer bleiben. Der Verlust eines Zwillingsbruders ist ein Schmerz, den man sein ganzes Leben über empfindet", erklärte der 62-Jährige.

Im dichten Nebel von Smolensk hatte Pilot Arkadiusz Protasiuk an jenem verhängnisvollen Samstagmorgen um 8.41 Uhr zu landen versucht, obwohl die Lotsen davon abgeraten hatten. Der miserabel ausgestattete ehemalige Militärflugplatz verfügte nicht über die technischen Hilfsmittel, um die Maschine sicher lenken zu können. Protasiuk steuerte aufgrund falscher Angaben aus dem Tower zu tief. Das Flugzeug streifte eine Baumgruppe und zerschellte.

So schildern polnische und russische Experten den Unglückshergang. Jaroslaw Kaczynski und seine Gesinnungsgefährten sind dagegen davon überzeugt, dass der polnische Präsident in Smolensk in eine Falle gelockt wurde. Sie sprechen wahlweise von einer Bombenexplosion, von bewusster Fehlsteuerung durch die Lotsen oder sogar von künstlich erzeugtem Nebel, der dem Kaczynski-Flieger zum Verhängnis geworden sei. Beweise gibt es dafür nicht. Als Schuldige benennen die meisten Verschwörungstheoretiker die russische Staatsführung, möglicherweise im Zusammenspiel mit der Regierung von Kaczynskis Gegenspieler Donald Tusk.

Am Vorabend des zweiten Jahrestages der Smolensk-Katastrophe protestierten rund 700 aufgebrachte Kaczynski-Anhänger vor der russischen Botschaft in Warschau und ließen dabei eine Puppe von Kreml-Chef Wladimir Putin in Flammen aufgehen. Dem offiziellen Polen um Tusk und Präsident Bronislaw Komorowski fiel es angesichts dieser Attacken nicht leicht, ein angemessenes Gedenken an die Opfer zu zelebrieren. Am Dienstag nahmen beide an einem Gottesdienst in der Warschauer Militärkathedrale teil.

Linksliberale Medien attackierten Kaczynski und seine Unterstützer als "Lügner" und lenkten die Diskussion über die Unglücksursache in eine völlig andere Richtung: "Was sie zur Landung genötigt hat", titelte die Zeitung "Gazeta Wyborcza". Dabei schwang erneut der Vorwurf mit, Präsident Kaczynski selbst könnte das riskante Flugmanöver im Nebel befohlen haben. Klarheit darüber gibt es bis heute nicht. Noch immer ermitteln polnische und russische Staatsanwälte - Ausgang offen.