Aus den Boxen schallt laute Musik mit viel Rhythmus. Der Bass dringt in jede Faser des Körpers. Über den ganzen Raum verteilt reichen senkrechte Stahlstangen von der Decke bis zum Fußboden - Poledance-Stangen. Dicht neben einer dieser Stangen steht Mareike Linzer, dehnt ihre Beine und fühlt sich langsam in das Lied ein.

"Poledance ist für mich die schönste Art, Sport zu machen", sagt Mareike Linzer. Sie hat 2009 die erste Poledance Tanzschule der Lausitz in Cottbus eröffnet. "Die Kombination aus Tanz, Kraft und Eleganz ist einzigartig, und im Training wird der gesamte Körper gefordert", erzählt die 31-Jährige. Rund 13 verschiedene Poledance-Kurse finden pro Woche in ihrem Tanzstudio statt. Außerdem unterrichtet Mareike Linzer im "Femelle" Hip-Hop und Kindertanz.

Elegant streckt sie ihren rechten Arm nach oben und umfasst die Stange. Ihre Beine sind gestreckt und angespannt. Sie steht auf Zehenspitzen.

"Poledance ist sexy, aber niemals vulgär", beschreibt die gelernte Eventmanagerin die Tanz-art. Im Training werden kurze Sporthosen und Tops getragen. "So knapp muss es sein, weil wir nur durch den Hautkontakt Halt an der Stange finden", erklärt Mareike Linzer. Eine Stripperin habe sich bisher nicht in ihren Kurs verirrt. "Wir betreiben Poledance als Sport, und die Beachvolleyballerinnen haben schließlich auch nicht mehr an", betont die ehemalige Deutsche Meisterin im Amateur-Poledance.

Mit der rechten Hand greift sie auf Bauchhöhe nach ihrem metallischen Tanzpartner. Schwungvoll und kerzengerade streckt sie ihr linkes Bein nach außen weg.

"Poledance ist für jeden geeignet", sagt Mareike Linzer mit Überzeugung. Das Schwerste an der Sportart sei der erste Schritt. "Oft sind Frauen gehemmt, weil sie denken, dass Poledance nur etwas für perfekte Models ist", weiß die Mutter von drei kleinen Kindern. Aber egal ob alt, jung, groß, klein, dick oder dünn - den Tanz an der Stange könne jeder lernen. "Natürlich ist die erste Stunde schwer", räumt Mareike Linzer ein. Schließlich müsse sich die Haut erst an die Presspunkte mit der Stange gewöhnen. "Mit der richtigen Technik stellen sich aber sehr schnell Erfolge ein", sagt die Cottbuserin.

Langsam lässt sie ihr Bein nach hinten gleiten, knickt das Knie ein und dreht sich nun rückwärts um die Stange. Gleich einer Feder schwebt sie durch die Luft und umrundet dabei immer weiter die Stange.

Video: Mareike Linzer in der Pole

"Durch die schnellen Erfolge stärkt Poledance das Selbstbewusstsein", sagt Mareike Linzer. Die Frauen würden sich nach dem Kurs ganz anders bewegen: "Die Weiblichkeit wird hervorgerufen." Viele Kunden bleiben nach einem Einsteigerkurs am Ball. "Die Nachfrage ist groß. 2015 habe ich von 60 auf 240 Quadratmeter erweitert", erzählt Mareike Linzer. Außerdem unterstützt sie nun eine zweite Tanzlehrerin.

Aber damit noch nicht genug. "Im Oktober wollen wir außerdem ein neues Studio in Dresden eröffnen", verrät die Geschäftsfrau. Aktuell ist Mareike Linzer auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Sanft landet sie auf ihren Zehenspitzen, eine Welle geht durch ihren Körper, und sie richtet sich auf. Im Takt der Musik klettert sie nun die Stange nach oben. Dort schlingt sie elegant die Beine um die Stange, lehnt sich nach hinten und schwebt wie Supergirl durch die Luft.