Denn die Verbalattacke gegen Wolfgang Bosbach kann nicht als singulärer Ausrutscher gesehen werden.

Vielmehr muss man sie in den Zusammenhang mit der Lage der Koalition setzen. Und dann bekommt Pofallas Wutausbruch eine ganz andere Qualität als die eines peinlichen Schnitzers gegenüber einem Parteifreund.

Pofalla hat nicht nur sich, sondern Schwarz-Gelb insgesamt einen Bärendienst erwiesen. Seit Bestehen des Bündnisses hat es gegenseitige Beschimpfungen gegeben, wie sie unter Koalitionären und Wunschverheirateten unüblich sein sollten. Gurkentruppe, Wildsau, und so weiter. Aber ausgerechnet Pofallas Ausrutscher gewährt einen tiefen Einblick in das Seelenleben einiger Führungskräfte der Koalition, wie es Angela Merkel nicht gefallen kann. Denn: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Schwarz und Weiß. Dazwischen scheint es derzeit keine andere politische Schattierung zu geben. Diese Haltung steckt ja augenscheinlich hinter der Pofallaschen Entgleisung. Fatal ist das, wenn man bedenkt, dass alsbald weitere heikle Euro-Entscheidungen anstehen, für die die Regierung eine eigene Mehrheit benötigt. Für Angela Merkel kommt die Veröffentlichung der Entgleisung allemal zur Unzeit.

Die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms ist mit Kanzlermehrheit beschlossen worden, die Debatte um die Abweichler begann gerade wieder abzuebben. Jetzt ist das Fass wieder auf.

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