Entsprechend viel reden die Spitzen auf der Wahlparty in der Berliner Columbiahalle davon, dass jetzt alle zusammen schonungslos Fehler analysieren müssten. Aber es ist auch möglich, dass ab Montag intern die Köpfe der Spitzenleute gefordert werden.

Jürgen Trittin will trotz des Debakels der Grünen wohl um seine Führungsrolle kämpfen, daraus macht er kaum einen Hehl. Als er um 18.43 Uhr auf die Bühne kommt, räumt er zwar die Niederlage ein und redet über die mangelnde Überzeugungskraft beim Thema Energiewende: "Man kann mal ein Spiel verlieren, dann steht man auf und dann kämpft man weiter."

Es ist unschwer zu erkennen, dass er die Grünen als Ganzes meint - und wohl auch sich selbst.

Auch Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt betont, man müsse nun gemeinsam weitermachen. "So wie wir gemeinsam gekämpft haben, schaffen wir es auch wieder heraus aus diesem Loch."

Fast vier Jahre lang waren sie verwöhnt von ihren U mfragewerten - als die Zahlen ab August fielen, wusste niemand Rat. Bei den Grünen geht es nicht nur ums Personal, auch der Kampf um die Richtung ist eröffnet.

Linke sehen Grund zum Feiern

Unterdessen gibt es bei der Wahlparty der Linken Jubel über den Absturz der FDP, aber auch über die Verluste der Grünen. Als der tiefrote Balken der eigenen Partei in der ersten Hochrechnung nur auf 8,3 Prozent steigt, bleibt es im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei dagegen seltsam still. Viele hatten nach den steigenden Umfragewerten der vergangenen Wochen gehofft, dass doch noch die von Spitzenkandidat Gregor Gysi ausgegebene Zielmarke von zehn Prozent erreicht werden könnte.

Für die Parteiführung ist trotzdem schnell klar, dass es Grund zum Feiern gibt. Das liegt vor allem daran, dass die Linke beste Chancen hat, erstmals drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden - vor den Grünen. Die Co-Vorsitzende Katja Kipping spricht von einem "ganz großartigen Tag für die Linke".

Und spätestens als Gysi auf die Bühne tritt und das Ergebnis als Erfolg wertet, glaubt es auch das Publikum - und dankt es ihm mit "Gregor, Gregor"-Sprechchören. "Wer hätte das 1990 gedacht, dass diese Partei die drittstärkste politische Kraft der Bundesrepublik Deutschland wird. Das haben wir geschafft", sagt Gysi.