Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mahnte, gerade in diesen schwierigen Umbruchzeiten dürfe den Verlockungen und einfachen „Lösungen“ der „braunen Verführer“ keine Chance gegeben werden. Etwa 80 Neonazis marschierten durch Außenbezirke Potsdams.

17 Festnahmen
Insgesamt wurden 17 Gegendemonstranten wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, versuchter Körperverletzung sowie Widerstandes gegen Beamte vorläufig festgenommen. Darüber hinaus wurden nach Angaben des Potsdamer Polizeipräsidiums 49 Platzverweise gegen Angehörige der linken Szene ausgesprochen.
Mehrere hundert Polizisten waren zur Absicherung der Demonstration und der Gegenveranstaltungen eingesetzt worden, darunter Verstärkung aus Berlin sowie des BGS.
Die Rechtsextremen von den „Freien Kameradschaften“ des Neonazis Christian Worch durften nicht, wie zunächst geplant, vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt ziehen. Unter strengen Auflagen der Polizei marschierten sie von dem am Stadtrand gelegenen Bahnhof Rehbrücke durch Außenbezirke der Landeshauptstadt.
Der Zug wurde laut Polizei von rund 150 Mitgliedern linker Gruppen gestört. Diese bewarfen die Rechten und die Polizei mit Eiern. Zehn von ihnen wurden festgenommen. Sieben waren bereits am Vormittag bei einer Demonstration antifaschistischer Gruppen durch die Potsdamer Innenstadt in Gewahrsam genommen worden. Bei ihnen seien unter anderem Messer und Sturmhauben festgestellt worden.
Auf der Kundgebung auf dem Alten Markt mahnte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Politiker, für Offenheit zu sorgen und komplizierte Entscheidungen zu erklären. Die Demonstration, zu der Schüler aufgerufen hatten, mache „Mut, dass braunen Gedanken in unserer Stadt auch künftig kein Zentimeter Raum gelassen wird“.

Gescheiterte Versuche
Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) betonte, rechtsextreme Gruppen versuchten zum dritten Mal in diesem Jahr, die Landeshauptstadt zum „Aufmarschfeld ihrer Ideologie zu machen“ und dort Fuß zu fassen. Diese Versuche müssten als gescheitert betrachtet werden. Es sei aber bedauerlich, dass Neonazis überhaupt in Potsdam demonstrieren dürften.
An der Kundgebung nahmen auch zahlreiche Vertreter von Bürgerinitiativen sowie der Kirchen teil. (dpa/wie)