Ein größerer Kontrast ist zwischen Havel und Oder nicht möglich: Hier Platzecks Heimat, die aufstrebende Landeshauptstadt mit modernsten Forschungsstätten und altpreußischem Glanz, inzwischen ein Geheimtipp unter den Schönen und Reichen. Dort der streckenweise fast entvölkerte Landstrich im Nordosten, vielerorts malerisch schön, doch überaltert und arm. Deutschlands größter Landkreis liegt auch bei der Arbeitslosigkeit mit knapp 22 Prozent an der Spitze.
Es ist eine der Ecken, die die Landesregierung nach Meinung von Kritikern wirtschaftlich "abhängt". Schuld sei die Förderpolitik und ihr Prinzip "Stärken stärken", das die alte "Gießkanne" ersetzt hat. Geld fließt konzentriert in Wachstumskerne und Wachstumsbranchen. Platzeck will nun in einer Randregion "Flagge zeigen", wie er sagt, auch gegen den erstarkenden Rechtsextremismus. Der gebürtige Potsdamer und frühere Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gibt dafür seinen Wahlkreis an der Havel ab.
Bei den Menschen in Anger münde, Prenzlau und Umgebung löst die Ankündigung ein gemischtes Echo aus. Der Bio-Landwirt Johannes Niedeggen vom Gut Kerkow etwa verspricht sich von dem hochrangigen Kandidaten Werbung für die Uckermark. "Es ist wichtig, die Menschen zu halten und Arbeitsplätze zu erhalten", fügt er hinzu. Der Prenzlauer Lars Kaufmann sieht dagegen keine Vorteile. "Frau Merkel kommt ja auch aus Templin und ich habe nicht gehört, dass sich dort dadurch etwas getan hätte", sagt der 30-Jährige mit Blick auf die märkischen Wurzeln der Bundeskanzlerin.
Der Unternehmer Robert Nitschmann aus Angermünde meint, Potsdam vernachlässige die Region und das werde sich nicht ändern. "Ich erwarte eher Luftblasen", sagt der Chef von neun Beschäftigten. Ähnlich äußert sich die Opposition: Einen "Show-Kandidaten", der nur anreise, wenn Fotografen und Kameras bereit stehen, erwartet der Abgeordnete Torsten Krause (Die Linke) aus dem Nachbarwahlkreis. Platzecks Koalitionspartner CDU stößt ins gleichen Horn, und der christdemokratische Schwedter Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen betont, die Uckermärker könnten sich viel besser selbst vertreten.
Platzecks Kandidatur ist indes nicht aussichtslos. Der Ministerpräsident werde schnell einen Draht zu den Menschen finden, sagt der Prenzlauer Lars Kaufmann. "Er ist sympathisch, geht auf die Menschen zu." Der frühere Umweltminister hat sich als "Deichgraf" während des Hochwassers 1997 an der Oder hohes Ansehen erworben, und inzwischen schwindet auch der Widerstand gegen den einst von ihm vorangetriebenen Nationalpark Unteres Odertal.
Mit Platzeck könnte die SPD 2009 den Wahlkreis zurückerobern, den der frühere Agrarminister Wolfgang Birthler 2004 an die Kandidatin der damaligen Linkspartei.PDS, Irene Wolff-Molorciuc, abgeben musste. Die übt sich trotz des prominenten neuen Gegners in Gelassenheit: "Unterstützung können wir hier immer gut gebrauchen."