Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schimpfte im Abgeordnetenhaus: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass sich Brandenburg hier im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker macht."

Brandenburg will das bisher geplante Flugverbot von 0 Uhr bis 5 Uhr ausweiten. Anlass ist ein erfolgreiches Volksbegehren, das Nachtruhe von 22 Uhr bis 6 Uhr fordert.

"Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg", sagte Rechtsanwältin Franziska Heß am Donnerstag im Infrastrukturausschuss des Landtags. Die Initiatoren des Volksbegehrens hatten sie in den Ausschuss geschickt. Nach Ansicht der Juristin Heß könnte Brandenburg Berlin etwa zu einer Änderung des Landesentwicklungsplans zwingen oder im Alleingang den Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen ändern. Das sei möglich, wenn sich die Sachlage verändert habe. Der Sprecher des Aktionsbündnisses für ein striktes Nachtflugverbot, Matthias Schubert, sagte, ein neuer Ansatz könne es sein, den Fluglärm zu kontingentieren. Der Flughafen müsse dann durch technische Veränderungen den Lärm um einen gewissen Prozentsatz pro Jahr mindern. Mit einem Lärmkontingent arbeitet auch der Flughafen München.

Die Fraktionen von SPD und Linkspartei hatten am Mittwochabend erklärt, sich ohne Einschränkungen dem Volksbegehren gegen Flüge in den Nachtzeiten anschließen zu wollen und einen entsprechenden Antrag im Landtag zu stellen.

Platzeck verteidigte sich erneut gegen Kritik. Den Vorwurf, er verletze mit seinem Nachtflug-Kurs seine Pflichten als Flughafen-Aufsichtsratschef, wies er zurück. In der Funktion habe er auch dafür zu sorgen, dass die Menschen in der Region mit diesem Projekt leben können, sagte der Regierungschef im RBB-Inforadio.