Der Generalsuperintendent war wegen vermuteter Stasi-Kontakte ohne sein Wissen von der Kirche überprüft worden (die RUNDSCHAU berichtete). Wischnath, der auch Vorsitzender des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ist, hatte gestern die Teilnahme an einer Pressekonferenz des Bündnisses kurzfristig abgesagt. Er habe seine Entscheidung eine halbe Stunde vor Beginn mitgeteilt, sagte die stellvertretende Vorsitzende und brandenburgische Ausländerbeauftragte, Almuth Berger. Mit der Pressekonferenz reagierte das Bündnis auf den seit Tagen anhaltenden Streit um die Stasi-Überprüfung Wischnaths durch die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg.
Der Generalsuperintendent wirft ihr vor, hinter seinem Rücken mit dem Verfassungsschutz verhandelt und in der Sache ermittelt zu haben, obwohl bereits in den 90er Jahren bei Überprüfungen keine Anhaltspunkte für eine Stasi-Mitarbeit gefunden worden seien. Der Vorstand des Aktionsbündnisses stärkte seinem Vorsitzenden den Rücken. Allerdings bestehe die Befürchtung, dass sein Ansehen durch die innerkirchlichen Vorgänge beschädigt werde. Das zeigten zahlreiche besorgte Anfragen von Mitgliedern. Berger forderte die Kirche auf, Wischnath weiter zu unterstützen und seine Arbeit innerhalb des Gremiums zu ermöglichen.

Schönbohm: „Maulkorb“ überdenken
Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte die Kirche auf, ihren „Maulkorb“ für Wischnath zu überdenken. Die im Raum stehenden Vorwürfe beträfen in erster Linie dessen „wilde“ Jugend beim Sozialistischen Hochschulbund und nicht den Kirchenmann. Aber auch vor diesem Hintergrund habe er keinen Zweifel an der persönlichen Integrität Wischnaths. „Wir waren und sind zwar nicht immer einer Meinung, aber gleichen Glaubens“, sagte Schönbohm. In einem Brief vom Montag soll die Kirchenleitung Wischnath ersucht haben, sich bis zu einem für Mitte Februar angesetzten klärenden Gespräch nicht mehr öffentlich zu den Vorgängen zu äußern.

Spekulation um Präses-Nachfolge
Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll Wischnath als Nachfolge des Präses von Westfalen im Gespräch sein. Zu einem ersten Gespräch sei Wischnath bereits vergangenes Wochenende nach Bielefeld gereist. Von Wischnath war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Das Amt des Präses sei gleichbedeutend mit dem eines Bischofs. Die Wahl für das Amt soll im November sein. (dpa/wie)