Es gibt Situationen, die hätte sich selbst ein Filmemacher nicht besser ausdenken können. Als Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) über die Energiewende und den Pilotcharakter des neuen Wasserstoff-Hybridkraftwerks in Prenzlau (Uckermark) referiert, geht auf der Bühne im Haus des Gastes in Falkenberg/Elster das Licht aus. Der Saal johlt.

124 SPD-Mitglieder haben den Weg in den Elbe-Elster-Kreis gefunden, um am Landesparteitag der SPD teilzunehmen. Es geht um die Zukunft des Landes. Im Zentrum steht das Diskussionspapier "Brandenburg 2030". Die Ideensammlung soll im Herbst kommenden Jahres beschlossen werden. In dem 33 Seiten umfassenden Entwurf werden - wenn auch sehr vage - Szenarien entworfen, wie Brandenburg in der Zukunft einmal aussehen wird, wie die Menschen leben werden.

Die Themen umfassen viele Lebensbereiche. Von Energieversorgung über eine mögliche Gemeindegebietsreform bis zur Ausgestaltung einer an die Bevölkerungsentwicklung angepassten Bildungspolitik. Herrscht bei den meisten Themen Konsens zwischen den Genossen und Genossinnen, offenbaren sich gerade bei der Bildungspolitik in der SPD tiefe Gräben und Begehrlichkeiten zwischen den Ministerien.

So fällt am Ende die Entscheidung denkbar knapp aus. 49 zu 47 Stimmen. Drei Unterstützer mehr und die Jungen Sozialdemokraten (Juso) hätten beim Landesparteitag ihren Antrag durchbekommen. Die Jugendfraktion der Partei hatten eine Rücknahme der Haushaltskürzungen in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Kultur gefordert. Der Wissenschaftsbereich muss ab diesem Jahr mit Minderausgaben von 12 Millionen Euro auskommen. "Das ist Demokratie", kommentierte Student und Juso Benny Blatz aus Spremberg das knappe Votum. Zuvor hatte er sich mit Ministerpräsident Platzeck und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger ein hitziges Rededuell geliefert.

"Wir müssen endlich begreifen, dass die Universitäten überhaupt ein Grund sind, warum junge Menschen in Cottbus und Frankfurt (Oder) bleiben", sagt etwa die Cottbuserin Maja Wallstein vom Landesvorstand der Jusos. Die 25-Jährige nimmt in Falkenberg zum ersten Mal an einem Parteitag teil. Als sie zum Rednerpult geht, ist sie sichtlich aufgeregt. 124 Delegierte hören zu. Vogelsänger schüttelt den Kopf. "Wenn Brandenburg zukunftsfähig bleiben will, dürfen wir nicht bei der Bildung sparen", sagt sie in seine Richtung.

Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten. "Jedes Ressort muss Kürzungen hinnehmen. Meines besonders", so der Infrastrukturminister zu der 25-Jährigen. Ende des Solidarpaktes bis 2019, weniger Geburten bei gleichzeitiger Überalterung, Auslaufende EU-Mittel - die brandenburgische Landesregierung rechnet am Ende des Jahrzehnts mit 20 Prozent weniger Haushaltsmittel. "Da müssen alle ihren Beitrag leisten", so Vogelsänger. Zusätzlicher Wermutstropfen für die Jusos: Als die Delegierten über den Antrag zur Rücknahme der Kürzungen im Bildungsbereich abstimmen, haben viele SPD-Mitglieder den Tagungsort bereits verlassen und befinden sich auf der Heimreise. Dass der Landesparteitag im äußersten Zipfel von Brandenburg stattfindet, stößt nicht bei allen auf Gegenliebe. "Ich will zu Hause sein, bis es Dunkel wird", sagt ein Sitzungsteilnehmer.

Kontra gibt es für SPD-Führung auch von den Gegnern des Großflughafens in Schönefeld. Dutzende haben sich vor dem Haus des Gastes versammelt. "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!" steht auf Schildern und Transparenten. Die Flughafengegner fordern ein striktes Nachtflugverbot.

Die SPD votiert zwar mit großer Mehrheit für eine Reduzierung der Lärmbelastung am Großflughafen Schönefeld. Die Bundesbehörden sollen alle "Gestaltungsmöglichkeiten bei den An- und Abflügen ausschöpfen", steht in dem Antrag. Ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr lehnt die Partei aber ab. Zusätzliche Fluglotsen sollen lärmreduzierende An- und Abflugrouten bestimmen und umsetzen. "Eine dritte Landebahn am Standort Schönefeld wird es mit der SPD nicht geben", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Konsens herrscht hingegen beim Thema demografischer Wandel. Ein "Auseinanderdriften des Landes" wird es mit der SPD nicht geben, stellte Platzeck klar. Gemeint ist die absehbare unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Landkreise. Die Bevölkerung wird bis zum Jahr 2030 um rund sechs Prozent zurückgehen, die Überalterung wird zunehmen. "Wir brauchen einen solidarischen Finanzausgleich", fordert Platzeck. Reiche Kommunen sollen ärmeren unter die Arme greifen. Fest stehe allerdings eins, so der Ministerpräsident und Parteivorsitzende: "Wir müssen alle sparen. Das wird ein Härtetest." Als Platzeck den Zusammenhalt der Partei beschwor, war das Licht auf der Bühne wieder an. Wenn, so die Meinung einiger Jusos, auch nicht mehr ganz so hell.