Mit der Gemeindegebietsreform zu Anfang des vergangenen Jahrzehnts „sind wir zu kurz gesprungen“, skizzierte Platzeck den Hintergrund. Perspektivisch sei es wichtig, lebensfähige Verwaltungseinheiten von einer gewissen Mindestgröße zu bilden, „in denen nicht gleich alles hineinfließende Geld von den Gehältern für das Verwaltungspersonal aufgebraucht wird, sondern in denen man auch Leben gestalten kann“, wies er auf Feuerwehr, Schule oder Kita hin.

Auf Zahlen in Bezug auf die Mindestgröße wollte sich der Ministerpräsident Brandenburgs allerdings bei seinem Besuch in der RUNDSCHAU-Lokalredaktion in Lübben (Dahme-Spreewald) nicht festlegen. „Es gibt die Debatte, dass ein Landkreis mindestens 200 000, eine Gemeinde 12 000 Einwohner haben sollte“, sagte er, „aber das ist nicht in Stein gemeißelt.“ Zwar habe diese Zahlen ein Verwaltungswissenschaftler ausgerechnet, aber er halte auch 11 000 Einwohner für eine gute Größe. In den Flächen mit immer weniger Einwohnern, beispielsweise seinem Wahlkreis in der Uckermark, spreche allein schon die Geografie gegen die 12 000-Einwohner-Größe.

Die Diskussion sei jetzt in einer Phase, „in der wir überlegen müssen, wie wir in den kommenden 20 Jahren leben wollen“, so Plat zeck. Daraus würden sich Verwaltungsstrukturen ableiten. Da mehr und mehr auf elektronischem Wege erledigt werden könne, würde rein räumliche Bürgernähe und der geografische Sitz der Verwaltungen möglicherweise in Zukunft keine so große Rolle mehr spielen wie in der Vergangenheit.

Die tortenartige Aufteilung der Kreise rund um Berlin hält Platzeck nach wie vor für richtig. Ob sich bei der nächsten Kreisgebiets- und Kommunalreform eher wirtschaftlich gleich starke Einheiten zusammentun oder starke die schwächeren mitziehen sollten, kommentierte er so: „Es dürfen am Ende keine übrig bleiben, die nicht lebensfähig sind.“ Bei der Frage, „wie sich das zurechtrüttelt“, würden schließlich auch bestehende Kooperationen und auch die Einstellungen der Einwohner eine Rolle spielen.