Zu den Tafel-Gästen der ersten Stunde gehört Rainer Fiedler, ein allein erziehender Vater von fünf Kindern. Ihm und seinem drei bis 15 Jahre alten Nachwuchs stünden im Monat rund 1600 Euro zur Verfügung - das sind pro Person etwa 266 Euro. "Ohne die Tafel würde es knapp werden zu Hause", sagt der arbeitslose 43-Jährige. Zweimal pro Woche versorge er seine Familie bei einer der drei Ausgabestellen der Potsdamer Tafel kostenlos mit Lebensmitteln, die zumeist Supermärkte und Händler spenden.
In Brandenburg gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Deutsche Tafel rund 35 solcher sozialen Einrichtungen; allein in Potsdam werde 1000 Bedürftigen plus deren Familien geholfen. Das Sozialministerium unterstützt einer Sprecherin zufolge in diesem Jahr Tafeln mit etwa 86 500 Euro an Lottomitteln. Platzeck überreichte der Ausgabenstelle an der Baptistenkirche gestern einen Scheck über 500 Euro. Mit dem Geld soll Krause zufolge ein neues Kühlgerät angeschafft werden. Gleichzeitig stellte der Regierungschef Hilfe bei der Suche nach einem neuen, größeren Raum in Aussicht.
Der SPD-Politiker erneuerte seine Forderung nach einem Mindestlohn in Deutschland. "Einen Mindestlohn halte ich für überfällig." Für gute Arbeit müsse auch gutes Geld gezahlt werden. Platzeck verwies darauf, dass die Arbeitslosigkeit in Brandenburg geringer geworden sei. Zum Ende des Monats Juli waren nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit 169 916 Menschen im Land erwerbslos gemeldet. Die Mark habe zu anderen Zeiten auch schon 300 000 Arbeitslose verkraften müssen, erinnerte der Ministerpräsident.
Sein Besuch bei der Potsdamer Tafel stand im Zusammenhang mit einer Ausbildungsaktion der Supermarktkette Lidl. Einige Lehrlinge hätten dabei auch bei der Arbeit von 15 Tafel-Ausgabestellen in Potsdam und Berlin geholfen, hieß es. "Es ist schon krass", sagte die Auszubildende Cindy Mißbach mit Blick auf die vielen Bedürftigen, die auf die Angebote der Tafeln angewiesen sind.
Vor der Potsdamer Baptistenkirche warteten die Menschen gestern lange vor Öffnung der Ausgabestelle in Trauben vor dem Eingang. Viele von ihnen hatten Einkaufsrollwagen bei sich. "Früher gab es Tumulte", erinnerte sich Fiedler. Die Wartenden hätten aus Angst, am Ende keine Waren mehr zu bekommen, vor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde gedrängelt. Um des Stroms der Bedürftigen Herr zu werden, werde dieser nun mit einem Nummernsystem kanalisiert.