„Wir sind voll bis unter das Dach“ , sagt Rolf Linke, Betriebsleiter im Cottbuser Tierheim. 180 Katzen, 45 Hunde und 25 andere Tiere haben auf dem Gelände an der Spree ein Zuhause auf Zeit gefunden. Für manche alten Tiere wird es eine Heimstatt auf Lebenszeit.
Dass Zwinger und Käfige so dicht besetzt sind, habe jedoch nichts mit der Urlaubssaison zu tun, versichert Linke. Schon in den vorhergehenden Wochen und Monaten habe die Zahl der abgegebenen Tiere zugenommen. Dasselbe Bild bietet sich überall in der Region, in Hoyerswerda ebenso wie in Guben oder Herzberg. „Überfüllung ist noch geschmeichelt“ , winkt Christina Koch ab, die in Hoyerswerda ein spezielles Katzenheim leitet. „Wir vermitteln immer wieder Katzen, aber für jede abgegebene kommen zwei neue.“ Manchmal sitzen die dann morgens in einem abgestellten Karton oder Käfig vor der Tür. Doch das passiere eher selten.
Auf die Tierheime schlagen offensichtlich die sozialen Probleme der Region durch: Überalterung, Wegzug, geringes Einkommen. Immer mehr Hunde und Katzen werden abgegeben, weil ihre Besitzer sterben, in ein Pflegeheim gehen oder für einen Job weit wegziehen. „Wenn die Leute ihren Hund oder ihre Katze beim Umzug nicht mitnehmen können, gibt es oft Tränen“ , berichtet Renate Behrendt vom Forster Tierschutzverein. „Das ist für die Besitzer schlimm, aber natürlich auch für die Tiere. Die verstehen ja nicht, warum sie ihre Bezugspersonen verlieren.“
Unabhängig von Urlaubszeit und Feiertagen haben die Tierschützer der Region immer wieder mit ausgesetzten Tieren zu tun. Denn nicht jeder, der sein Haustier los werden will, stellt es dem Tierheim wenigstens anonym vor die Tür. „Gerade kranke oder junge Katzen werden immer häufiger in eine für sie fremde Gegend gebracht und ihrem Schicksal überlassen“ , beklagt Renate Behrendt. Ganze Würfe junger Kätzchen samt Mutter seien schon gefunden worden.

Anzeige gegen Unbekannt
„Die Sitten werden roher“ , sagt Almut Meißner vom Tierheim in Herzberg. Im Frühsommer haben Anwohner sie zu Hilfe geholt, weil ein Schäferhundmischling zwei Tage lang am Elbdeich im Kreis herumlief. „Der war blind und schwer verletzt. Jemand hatte offenbar versucht, ihn zu erschlagen“ , erzählt die Herzberger Tierheimchefin. Sie erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Der Tierarzt konnte dem Hund nicht mehr helfen. Er musste eingeschläfert werden.
Almut Meißner beklagt, dass die Brutalität gegenüber alten und kranken Tieren zunimmt, weil ihre Halter kein Geld für den Tierarzt haben oder ausgeben wollen. „Für Notfälle haben wir immer einen Platz“ , versichert sie. Doch leider gebe es Leute, die alte Hunde statt zum Tierheim zu einem Bahngleis bringen und aussetzen: „Die hoffen dann, dass der nächste Zug sie überfährt.“
In Guben lief kürzlich eine ausgesetzte Terrier-Hündin einem Mann in der Innenstadt nach und wich ihm nicht mehr von der Seite. Jetzt lebt die etwa dreijährige „Maggi“ im Gubener Tierheim und wartet auf eine Vermittlung. „In der Urlaubszeit ist das aber schwer“ , sagt die Gubener Tierheimchefin Mandy Drewitz. Wie in vielen anderen Heimen werden bei ihr auch Pensionstiere aufgenommen: „Das wird genutzt.“ In Cottbus und Hoyerswerda geben ebenfalls immer mehr Menschen ihre vierbeinigen Lieblinge während des Urlaubs in Pension. Auch das Tierheim der Tierschutzliga am Schäferberg bei Groß Döbbern (Spree-Neiße) hat schon feste Stammkunden für diese Dienstleistung. Heime mit Pensionsbetrieb nehmen meistens nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Kaninchen, Vögel oder andere Kleintiere in Pflege.

Tiere machen auch Probleme
Für Rentner oder ALG-II-Empfänger können Tierarzt- und Futterkosten schnell zu einem Problem werden. Tierschützer raten deshalb, sich die Anschaffung eines Haustieres nicht nur wegen einer eventuellen Urlaubsunterbringung gut zu überlegen. Wie knapp manche Interessenten bei Kasse sind, merken Tierheime oft schon bei der Vermittlung von Vierbeinern. Da muss ein Betrag von bis zu 150 Euro hinterlegt werden, um Gewissheit zu haben, dass es dem Bewerber auch ernst ist mit seiner Tierliebe. „Manche fragen schon da nach Ratenzahlung“ , erklärt Gubens Tierheimchefin Mandy Drewitz.
Das Katzenheim in Hoyerswerda hat sozial Schwachen schon finanziell geholfen, wenn jemand die etwa 60 Euro für die Kastration seines „Stubentigers“ oder für eine andere wichtige Operation nicht aufbringen konnte. „Das spricht sich aber herum und dann kommen Leute, die das nicht nötig haben und wollen, dass wir auch für sie bezahlen“ , beklagt Heimchefin Christina Koch. Sie weist auch auf ein anderes Problem von Tierheimen hin. Tierschutz ist auf finanzielle Hilfe von Firmen, Kommunen und privaten Spendern angewiesen. Das Hoyerswerdaer Katzenheim habe einen festen Kreis von Sponsoren, darunter seien inzwischen jedoch viele ältere Menschen, sagt Koch. „Die sterben aber nach und nach weg, jüngere Leute interessieren sich kaum noch für Tierschutz.“ Das ohnehin knappe Geld könnte deshalb bald noch weniger werden.