Bei der Suche nach möglichen Flüchtlingsquartieren zieht die Stadt Potsdam auch den Filmpark Babelsberg in Betracht. „Es geht jedoch um noch leerstehende Bereiche“, betonte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Donnerstag. Filmpark-Chef Friedhelm Schatz bestätigte Gespräche mit der Stadtverwaltung.

„Ich habe deutlich signalisiert: Wenn ich helfen kann, helfe ich“, sagte Schatz der Deutschen Presse-Agentur. In der kommenden Woche sei ein Gespräch mit der Stadt geplant, um Details zu beraten. Dabei sollten praktikable Lösungen geprüft werden. „Es macht keinen Sinn, Aktionismus an den Tag zu legen“, so der Geschäftsführer.

Nach Angaben von Stadtsprecher Brunzlow prüft die Verwaltung derzeit mehr als 50 Standorte. Dazu gehöre auch ein Teilbereich der Tropenwelt „Biosphäre“. In der Orangerie, die nicht ständig genutzt werde, sei ein „Haus-in-Haus-System“ denkbar. Die Ausstellungsräume selbst, die 70 Prozent der Anlage ausmachten, seien nicht betroffen. Zuvor hatten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ darüber berichtet.

Die „Biosphäre“ verschlingt seit Jahren Millionensummen. Die Stadt unterstützt die künstliche Tropenwelt seit 2007 jährlich mit mehr als 1,5 Millionen Euro. Sie will dem defizitären Betrieb schnellstmöglich ein Ende bereiten und das Haus ab 2018 anders nutzen.

Brandenburgs Landeshauptstadt soll in diesem Jahr 1600 Flüchtlinge aufnehmen. Etwa 850 werden bis zum Jahresende noch erwartet. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) will Zelte und Turnhallen als Unterkünfte vermeiden. Um dies umsetzen zu können, sollen acht sogenannte Leichtbauhallen gekauft werden. Dies sei am Mittwoch im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden, berichtete Brunzlow.

Die Hallen für je rund 180 000 Euro sollen vor allem auf städtischen Grundstücken - darunter mehreren Sportplätze - aufgebaut werden. Die Prüfung möglicher Standorte sei noch nicht abgeschlossen. Dies solle aber zügig erfolgen. „Wir wollen sie ab Ende Oktober aufbauen“, so der Sprecher.

Neben städtischen Flächen gebe es auch private Angebote. Etwa 50 Privatleute seien auf die Stadt zugekommen. Überwiegend handele es sich um seriöse Angebote.

Nach Angaben des Innenministeriums sind seit Beginn des Jahres mehr als 15 000 Flüchtlinge nach Brandenburg gekommen. Allein im September werden 6000 Menschen erwartet, so viele wie im ganzen Jahr zuvor.