„Langfristig ist geplant, in Guben die Körperspender aus dem Norden anzunehmen.“
 Gunther von Hagens



Herr von Hagens, in welchem Zusammenhang stehen Ihre Ansiedlung in Guben und der kostenlose Abholservice für verstorbene Körperspender?
Der Abholservice wird gerade wegen des erhöhten Bedarfes in Guben eingerichtet. Die Leichen aus dem Norden Deutschlands werden, bis in Guben die nötigen Voraussetzungen geschaffen wurden, weiterhin in Heidelberg angenommen und dort mittels Konservierungsmitteln und Kunststoffen dauerhaft konserviert. Das heißt, die Verwesung wird gestoppt. Diese „Präplastinate“ , wie man sie bezeichnen könnte, sind beliebig lange lagerfähig, allerdings nur, wenn sie nicht austrocknen. Die Plastination muss also nicht gleich nach dem Eintreffen der Leichen durchgeführt werden.

Sie sprechen von einem höheren Bedarf an Körperspenden. Mit welcher Größenordnug rechnen Sie dabei?
Gegenwärtig erhalten wir im Institut für Plastination pro Jahr etwa 80 Leichen verstorbener Körperspender. Ich rechne aufgrund des kostenlosen Abholservices mit etwa einer Verdoppelung innerhalb eines Jahres. Langfristig ist geplant, in Heidelberg die Körperspender aus dem Süden und in Guben die Körperspender aus dem Norden Deutschlands anzunehmen.

Bislang mussten Angehörige die Kosten der Überführung eines Verstorbenen selbst tragen. Wieso gab es einen kostenlosen Abholdienst nicht früher?
Weil sich das Institut für Plastination dazu finanziell nicht in der Lage sah. Die durchschnittlichen Überführungskosten aus dem gesamten Bundesgebiet betragen schließlich im Durchschnitt etwa 1200 Euro. Da jedoch bei der Plastination die Angehörigen die Bestattungskosten sparen, bedeutete dies keine unbillige Härte. Ein weiterer Grund war, dass wir nur eine kleinere Zahl von Körperspender benötigten. Dies hat sich mit der Entscheidung für Guben geändert.

Gibt es für die Überführung Verträge mit örtlichen Bestattungsunternehmen?
Es gibt keine Verträge und muss auch keine geben. Die Praxis ist die, dass Angehörigen von Körperspendern oder von diesen beauftragte Bestattungsinstitute bei uns anrufen und uns über den Sterbefall informieren. Je nach Sachlage - Entfernung, Transportverfügbarkeit und so weiter - übernimmt dann entweder das örtliche Bestattungsinstitut oder das Institut für Plastination in Heidelberg die Überführung.

Mit G. VON HAGENS sprach Thoralf Schirmer