„Es ist Herr
von Hagens, der die Tabubrüche immer weiter treibt und immer mehr
Gefühle verletzt, damit er im
Gespräch bleibt.“
 Pfarrer Michael Domke


Das Aktionsbündnis, das 60 Mitglieder zählt, protestiert damit gegen die öffentliche Zurschausstellung von präparierten Körpern verstorbener Menschen und des „Herstellungsprozesses“ dieser Plastinate, den von Hagens in seiner Gubener Schauwerkstatt vorführen will. Bei dem von ihm entwickelten Verfahren der Plastination werden Leichen in Kunststoff konserviert. In Guben ist geplant, sogenannte Scheibenplastinate (das heißt Querschnitte von Körpern) zu produzieren.
„Ich möchte die Menschen in Guben, die durch das Plastinarium eine Arbeit bekommen haben, nicht verdammen“ , sagt Michael Domke. „Es ist Herr von Hagens, der die Tabubrüche immer weiter treibt und immer mehr Gefühle verletzt, damit er im Gespräch bleibt.“
Es habe eine neue Qualität, dass jetzt nicht mehr nur die fertigen Präparate gezeigt würden, sondern auch dazu eingeladen wird, beim ganze Prozess der Plastination zuzuschauen.
Was von Hagens schon als das „anatomische Theater der Moderne“ feiert, hofft das Aktionsbündnis für Menschenwürde möglicherweise doch noch verhindern zu können. Unterstützung erhält es von der evangelischen Landeskirche, auch wenn dieser Beistand in den vergangenen Monaten eher still und ohne größeren öffentlichen Protest erfolgte.
„Die soziale Lage in Guben war zuletzt so gespannt, dass wirklich Schaden für einzelne Personen zu befürchten war, die zum Beispiel Drohanrufe erhalten haben. Das bedaure ich sehr“ , sagt Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin des Sprengels Cottbus. „Aber es ist nicht so, dass wir aufgegeben hätten. Das Ganze hat inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über Guben und Gubener Arbeitsplätze hinausreicht.“
Die Landeskirche prüfe daher, inwieweit sich das öffentliche Zerteilen menschlicher Körper juristisch noch verhindern lässt. Das Bestattungsrecht oder der Paragraf 168 des Strafgesetzbuchs (Störung der Totenruhe), der „beschimpfenden Unfug“ an Leichen oder Leichenteilen verbietet, seien dazu offenbar nicht geeignet. Jetzt prüfe man die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde. Artikel 1 des Grundgesetzes garantiert die Menschenwürde, und nicht nur nach Heilgard Asmus' Auffassung ist es damit unvereinbar, wenn die Bevölkerung dabei zuschauen darf, wie Leichen zersägt werden.
Auch die Frage, ob man ordnungsrechtlich gegen ein Gewerbe vorgehen kann, das die Schau-Produktion von Leichenteilen zum Inhalt hat, sei noch zu prüfen, meint die Generalsuperintendentin.
Abseits aller juristischer Erwägungen hofft Heilgard Asmus aber auch auf eine längst überfällige breite Diskussion über den Umgang mit Menschen und ihrer Würde über den Tod hinaus: „Im politischen Bereich wird das Thema im Augenblick lieber ignoriert. Aber die Frage bleibt trotzdem, ob es nicht an der Zeit ist, ein gesellschaftspolitisches Forum zu bilden.“ Dies zu tun, könne aber nicht Aufgabe der Kirchen sein, sondern bedürfe einer größeren Initiative.

Hintergrund Halber Eintrittspreis für Gubener
 Das Plastinarium von Gunther von Hagens in Guben wird am 16. November mit einem offiziellen Rundgang für Gäste und Medienvertreter eröffnet. Ab dem 17. November ist die Körperwelten-Werkstatt mit Schauraum vorerst jeweils freitags, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt kostet 12 Euro für Erwachsene und sechs Euro für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Wer sich an der Kasse als Einwohner von Guben ausweisen kann, bezahlt nur den halben Eintrittspreis. Mittlerweile gibt es auch einen eigenen Internet-Auftritt unter www.plastinarium.de.