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Plakatierungswellen gegen Zerstörer

Entlang der Straße der Jugend in Cottbus haben Unbekannte Wahlplakate der FDP heruntergerissen.
Entlang der Straße der Jugend in Cottbus haben Unbekannte Wahlplakate der FDP heruntergerissen. FOTO: Frank Hilbert
Potsdam/Cottbus. Abgerissen, übermalt oder verunstaltet – die Wahlplakate im Land sind beliebtes Ziel von Zerstörungswut. Auch in der Straße der Jugend in Cottbus haben sich Unbekannte an Wahlplakaten ausgelassen. dpa/fh

Vor der Bundestagswahl in vier Wochen kämpfen die Parteien in Brandenburg gegen die Zerstörungswut. Allein bis Mitte August wurden bereits 1700 Wahlplakate beschädigt. Das sind fast so viele wie im gesamten Bundestagswahlkampf 2013. Damals waren 1900 Fälle im Land angezeigt worden, wie das Polizeipräsidium in Potsdam mitteilte. Am stärksten sei dieses Jahr die AfD betroffen - vor vier Jahren waren besonders Plakate der NPD und der Republikaner zerstört worden.

Die Wahlplakate-Zerstörer haben allerdings oftmals nur kurze Zeit Freude an ihren Taten - denn viele Parteien plakatieren ohnehin immer wieder neu. „Grundsätzlich sind für die gesamte Zeit des Wahlkampfes mehrere Plakatierungswellen geplant“, sagte die Grundsatzreferentin der CDU in Brandenburg, Eva Jobs. So plakatiere etwa die Bundespartei drei Mal neu mit wechselnden Motiven. „Dadurch werden natürlich auch automatisch beschädigte Plakate ersetzt.“

„Beschädigte oder zerstörte Plakate werden in der Regel ersetzt“, sagt auch der Vize-Landesgeschäftsführer der SPD, Matthias Beigel. „Die Zerstörungen sind weitgehend mit 2013 vergleichbar, in einigen Bereichen gibt es aber auch seit einigen Tagen einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen.“ Neben den finanziellen Schäden bedeute dies auch erheblichen Aufwand für ehrenamtliche Wahlhelfer.

Die Grünen haben etwas Schwund schon einkalkuliert - 10 Prozent sei normal, sagt Sprecherin Annette Weiß. Im Vertrag mit einer Firma, die die Plakate anbringt, sei bei den Großflächen der Ersatz zerstörter Motive gleich mit vereinbart worden. Auch die Grünen wollen dort in drei Wellen plakatieren und so die Motive ohnehin wechseln. Bei den kleineren Plakaten, die von Ehrenamtlichen aufgehängt werden, könne der Ersatz aber ein paar Tage dauern. Ein Pappplakate koste etwa drei Euro - bei landesweit 9000 Plakaten und zehn Prozent Schwund liege der Schaden bei etwa 2700 Euro. „Vor allem kostet es uns Zeit und ein paar Nerven“, sagte Weiß.

Die Linke verzichtet aus Kostengründen auf mehrere Plakat-Wellen. Ihre 35 000 Plakate sollen stattdessen relativ spät aufgestellt werden. „Momentan ist das Maß an Vandalismus ähnlich wie zur letzten Bundestagswahl“, sagt Landesgeschäftsführerin Anja Mayer. Bei Zerstörungen sollen neue Plakate aufgehängt werden. „Dort wo es möglich ist, werden die Plakate ersetzt. Insbesondere für Großflächen gilt dies.“

Die FDP berichtete, in Frankfurt (Oder) seien vor rund zwei Wochen in der Innenstadt sechs ihrer Plakate auf einem Platz verbrannt worden. In Cottbus sind deren Plakate in der Straße der Jugend heruntergerissen worden. Beschädigungen dürfte es zudem in vielen Landesteilen geben. Vor allem kleineren Parteien mit weniger Personal und geringerer finanzieller Ausstattung erschwere das den Wahlkampf, sagte Sprecher Martin Lebrenz.

Die Freien Wähler sehen sich im Bundestagswahlkampf weniger betroffen - wohl aber bei Plakaten zu Bürgermeisterwahlen. „Unsere Mitglieder sind regelmäßig unterwegs, um den Zustand zu kontrollieren. Dabei kann man schon mal den einen oder anderen Randalierer erwischen“, sagte der Abgeordnete Péter Vida.