Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält weiter zu ihrer Vertrauten. SPD und Grüne preschten vor: Schavan müsse bei einem Titel-Verlust zurücktreten. Die Universität Düsseldorf hatte ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eingeleitet. Schavan werden bei ihrer 1980 eingereichten Arbeit zum Thema Gewissen Plagiate, unkorrektes Zitieren und die Vernachlässigung wissenschaftlicher Standards vorgeworfen.

Das Verfahren kann lange dauern. Eine Frist gibt es nicht. Der maßgebliche Rat der Philosophischen Fakultät will am 5. Februar das Verfahren fortsetzen. Merkel gibt Schavan weiter Rückendeckung.

"Die Kanzlerin schätzt ihre Arbeit, und sie hat volles Vertrauen in ihre Arbeit", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Uni habe ausdrücklich gesagt, es sei ein ergebnisoffenes Verfahren. "Und das heißt auch, dass selbstverständlich, bis die Entscheidung in diesem Verfahren gefällt ist, Frau Schavan als unschuldig gilt." Merkel sehe die Amtsführung und die Handlungsfähigkeit der Ministerin nicht beeinträchtigt. Schavan betonte, sie selbst habe nach Bekanntwerden anonymer Plagiatsvorwürfe im Mai die Uni um Prüfung gebeten. "In den über acht Monaten seither hatte ich Gelegenheit, mit zahlreichen Fachwissenschaftlern eingehend über die Plagiatsvorwürfe zu sprechen." Die intensive Beschäftigung mit ihrer Arbeit bestärkten sie in der Überzeugung, "dass meine Dissertation kein Plagiat ist".

Schavan setzt auf zusätzliche Expertisen von außen: "Ich gehe davon aus, dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen." In Düsseldorf blieb unklar, ob der Fakultätsrat ein externes Gutachten hinzuzieht.

An Rücktritt dachte Schavan nach Angaben ihres Sprechers während der jüngsten Entwicklung nicht. Sie werde auch wie geplant am Freitag vor den Mitgliedern ihres CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm als Kandidatin für die Bundestagswahl antreten. "Wir stehen voll und ganz zu der Kandidatin", sagte der Vorsitzende Paul Glökler.