Nach einer Statistik des Kultusministeriums wechseln derzeit vergleichsweise wenige Schüler von der Mittelschule aufs Gymnasium. Im Schuljahr 2007/2008 waren das nach der 5. Klassenstufe gerade mal 0,08 Prozent. Auch nach Klasse 6 (1,7 Prozent), Klasse 7 (0,5), Klasse 8 (0,03) und Klasse 10 (0,7) wählte nur kleiner Bruchteil den Weg zur Reifeprüfung. 2005 hatte Sachsen den Gang zum Gymnasium erleichtert. Statt des bislang geforderten Notendurchschnitts von 2,0 bekommen seitdem auch Schüler bis zum Wert von 2,5 eine entsprechende Bildungsempfehlung.
"Nicht jeder kann Olympiasieger werden. Aber die Entscheidung für den einen oder anderen Weg sollte nicht als endgültig gelten müssen", betonte Tillich. In keinem Fall dürften jedoch die Ansprüche des Gymnasiums sinken. Auch ein Wechsel zurück zur Mittelschule sollte ohne Gesichtsverlust möglich sein, wenn Schüler das Niveau im Gymnasium nicht erfüllen. "Sitzenbleiber haben bei uns das Image des Versagers." In den USA sei dagegen die "zweite Chance" üblich. "So etwas brauchen wir hier im schulischen Bereich."

Oppositionsforderungen berücksichtigt
Tillich ging auf Forderungen von Oppositionsvertretern ein, die eine frühe Aufteilung der Kinder in Mittelschüler und Gymnasiasten kritisieren und ein gemeinsames Lernen bis Klasse 8 fordern. Auch der CDU-Koalitionspartner SPD ist dieser Meinung. "Ich glaube nicht, dass das ein Thema ist, was ewig tabu ist. Das ist aber für mich nicht der entscheidende Punkt. Wenn die Durchlässigkeit des Systems gewährleistet ist, stellt sich die Frage nach längerem gemeinsamen Lernen gar nicht", erklärte der Regierungschef.
Es gelte, die Mittelschule als Rückgrat des sächsischen Bildungssystems weiter zu stärken. Mit der verstärkten Förderung der zweiten Fremdsprache an den Mittelschulen ab Klasse 6 würden die Voraussetzungen für einen Übergang auf berufliche Gymnasien erhöht. "Das Gymnasium bildet das Reservoir für die Hochschulen, die Absolventen der Mittelschule das für den Fachkräftebedarf der Wirtschaft", sagte der 49 Jahre alte Politiker.

Mit Meisterbrief an die Uni
Künftig werde in Sachsen auch der Meisterabschluss zum Hochschulstudium berechtigen. Bei allen Debatten um fehlende Ressourcen in Deutschland sei oft die Bildung vergessen worden. "Unternehmen, die sich in Sachsen ansiedeln, müssen auch künftig Zukunft genügend Fachkräfte zur Verfügung haben. Das ist für mich eine essenzielle Frage", sagte Tillich: "Bildung ist die Ressource für die Zukunft". Investitionen in die Bildung seien nicht in erster Linie eine Frage der Geldmenge. "Mit Geld allein schafft man keine Qualität. Es kommt darauf an, wie man es einsetzt."
Sachsens Landeshauptstadt Dresden ist am 22. Oktober Gastgeber eines "Bildungsgipfels" mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder. Beim "Bildungsmonitor 2008" - einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft - war dem Freistaat am Dienstag zum dritten Mal in Folge das beste Bildungssystem in Deutschland attestiert worden.