Wie soll die politische Struktur des sorbischen Volkes in Zukunft aussehen – diese Frage stand im Mittelpunkt der Beratung im Heimatmuseum Dissen. „Der Status quo wird von allen als unzulänglich bezeichnet“, betonte Michael Apel. Vorurteile wie „Die Sorben sind sich nicht einig“ hätten ihre Ursache in fehlenden Gremien für politische Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse. „Die Domowina hat 7000 Mitglieder“, so Apel weiter. „Dem Volk der Sorben/Wenden gehören aber 60 000 Menschen an.“

Eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe der Stiftung für das sorbische Volk habe sich im Frühjahr und Sommer 2011 mit der nachhaltigen Verbesserung der Interessenvertretung der Sorben befasst. Ihr Abschlussbericht liege seit dem 13. Juli 2011 vor. Darin wird laut Apel als Modell 1 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit allen Aufgaben der Interessenvertretung beschrieben. Als zweites Modell werde die Umstrukturierung der Stiftung und die Stärkung der Domowina vorgestellt. Doch bisher habe die Stiftung selbst noch keine Position zu diesem Bericht bezogen, sagt Apel. Auch für die nächste Beratung zu Beginn des Jahres 2012 stehe er bisher nicht auf der Tagesordnung. Eine Situation, die es der Initiative für eine sorbische/wendische Volksvertretung offenbar erleichtert, Anhänger für ihre Position zu gewinnen.

Und so soll die Volksvertretung aussehen, die laut Michael Apel ausdrücklich keine Gesetze verabschieden, sondern vielmehr Probleme der Sorben/Wenden transparent diskutieren, Entscheidungen treffen und mit den nationalen Parlamenten zusammenarbeiten soll:

Der Serbski Sejmik wird von Einwohnern der zweisprachigen Lausitz, die sich als Sorben bekennen, gewählt. Auch die zumeist jungen Sorben, die in andere Regionen abgewandert sind, sollen ein Wahlrecht erhalten.

Die Wahlen sollen zusammen mit einer Bundestags- oder Europawahl stattfinden.

Der Serbski Sejmik übernimmt die politische Vertretung der Interessen der Sorben, die bisher von der Domowina und der Stiftung für das sorbische Volk geleistet wurde.

Der Vereinsdachverband der Domowina und weitere sorbische Vereine, so Apel, hätten weiterhin ihre Funktion als wichtige Stützen in der Kulturarbeit. Aber Vereinsarbeit und Traditionspflege müssten klar von politischer Interessenvertretung getrennt werden.

„Die Mehrheit engagiert sich über die Kultur“, konterte Madlena Norberg, Vorsitzende des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz. „Und wir freuen uns, wenn mehr Menschen sich politisch engagieren. Aber ohne das Anschieben, Unterstützen, Helfen wäre die Domowina nicht so stark, wie sie ist.“

Kreistagschef Michael Haidan (CDU) betonte, es gehe darum, zukunftsfähige Strukturen aufzubauen, ohne Vorhandenes kaputt zu machen. Er unterstütze das Anliegen der Initiative. Allerdings müssten einige praktische Fragen geklärt werden. Das reiche bis zu Gesetzesänderungen in der Kommunalverfassung. Weil dies nur für die Bundestagswahl 2018 realistisch sei, müssten bis dahin Zwischenlösungen gefunden werden. So könnten „in Cottbus, in Oberspreewald-Lausitz und im Spree-Neiße-Kreis sorbische/wendische Ausschüsse mit sachkundigen Bürgern zusammenarbeiten. Auch für die Gemeindevertretungen sei das machbar und wünschenswert, betonten der Vorsitzende des Amtsausschusses Burg, Fred Kaiser, und der Burger Gemeindevertreter Siegbert Budischin (SPD).