Die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, ist bei der sechsten und letzten CDU-Regionalkonferenz in diesem Herbst von der Parteibasis scharf kritisiert worden. Die Hauptvorwürfe mehrerer Redner der rund 1000 Teilnehmer am Dienstagabend in Magdeburg drehten sich um die Euro-Politik, den Atomausstieg und den Umgang in der CDU mit Kritikern.

Merkel verteidigte auf der gemeinsamen Konferenz der CDU-Landesverbände von Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt in einer kämpferischen Schlussrede Kredite für hoch verschuldete Euro-Länder und lehnte einen Schuldenschnitt für Griechenland entschieden ab. Die Gefahr, dass dann auch andere Länder auf eine Umschuldung pochten, sei zu groß, sagte sie.

Während die CDU-Chefin ihre Partei zu Veränderungsbereitschaft aufrief, hatte der Brandenburger Ex-CDU-Landeschef Jörg Schönbohm im Vorfeld für „konservative Alternativen“ plädiert. „Ich bin überrascht, wie schnell Positionen ohne Diskussionen aufgegeben werden und dies dann als eine alternativlose Politik erklärt wird.“ Es gebe immer Alternativen, die erörtert werden müssten, argumentierte Schönbohm in Potsdam. „Das Verkünden von alternativlosen Entscheidungen kann eine Partei höchstens in Not- oder Krisenfällen akzeptieren.“

Nach Einschätzung von Schönbohm haben ein „Kurs der Verwechselbarkeit“ und eine programmatische Öffnung nach links für die Christdemokraten zu einem dramatischen Vertrauensverlust geführt – dies zeigten die zuletzt schlechteren Wahlergebnisse. „Heute kann keiner mehr in wenigen Sätzen sagen, wofür die Union steht – es bedarf immer langer Ausführungen“, rügte der heutige Ehrenvorsitzende der märkischen CDU. „In der öffentlichen Wahrnehmung spielt das Konservative bei der Union keine Rolle mehr.“

In Magdeburg griff Merkel auch den teilweise umstrittenen Vorstoß der Parteispitze, die Hauptschule mit der Realschule zu einer Oberschule zusammenzufassen, auf und sagte: Wenn Schülerzahlen mitunter um 50 Prozent zurückgingen, müsse man die Veränderungen anerkennen. Und in Bezug auf die Schuldenkrise in Europa und den Euro-Problemen forderte die Kanzlerin die CDU zu Mut auf, große Herausforderungen anzunehmen.

Konrad Adenauer habe Deutschland nach dem Nationalsozialismus in die internationale Gemeinschaft zurückgeführt. Helmut Kohl habe das wiedervereinigte Deutschland in die Nato und die Europäische Union integriert und den Euro politisch entschieden. Die historische Aufgabe heute sei, politische Verbindlichkeiten in der Euro-Zone und EU zu verankern und den Euro zu stabilisieren. Wenn die Christdemokraten das jetzt nicht meistern würden, reiche das weit über den nächsten Wahltag hinaus.