Brandenburgs FDP geht mit Linda Teuteberg an der Spitze in den Kampf um den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Eine Landesvertreterversammlung in Wildau wählte die Juristin, die von 2009 bis 2014 dem Potsdamer Landtag angehörte, und die derzeit als Referentin im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung arbeitete, am Samstag auf Platz eins der Landesliste der Brandenburger Liberalen.

Teuteberg setzte sich mit 56 Prozent der Delegiertenstimmen in einer Kampfabstimmung gegen den Landesvorsitzenden Axel Graf Bülow durch, der 44 Prozent der Stimmen erhielt. Sollte die FDP im Bund mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, ist Teuteberg ein Bundestagsmandat nahezu sicher. Der von den Delegierten auf Platz zwei der Landesliste gewählte frühere Bundestagsabgeordnete Martin Neumann aus Vetschau müsste dagegen schon auf ein bundesweites Ergebnis nahe der Zehn-Prozent-Marke und entsprechend gute Werte in Brandenburg hoffen, um eine erneute Chance auf ein Mandat in Berlin zu haben. In ihrer Bewerbungsrede kündigte Teuteberg an, in Berlin für eine "Partei der Mitte" antreten zu wollen. Teuteberg sprach sich für eine "neue Balance zwischen Bürger und Staat bei der Einkommenssteuer" und eine "Unterstützung der Vermögensbildung der Mittelschicht" aus.

So plädierte die Abgeordnete für die Abschaffung der von der rot-roten Brandenburger Landesregierung erst zu Beginn der Legislaturperiode erhöhten Grunderwerbssteuer beim Ersterwerb einer Immobilie. "Es geht uns nicht um Volkseigentum, sondern um ein Volk von Eigentümern mit Freiheit und Verantwortung", sagte Teuteberg. Zum Strukturwandel in der Lausitz sagte Teuteberg, die Region benötige gute Rahmenbedingungen und eine klare Sprechfähigkeit der kommunalen Akteure vor Ort. Ihr Gegenkandidat, der Bundesgeschäftsführer des Bundes Freier Tankstellen, Axel Graf Bülow, hatte in seiner Bewerbung stärker landespolitisch argumentiert. So sprach er sich dafür aus, in der Energiewende "sehr darauf zu achten, dass Brandenburg nicht abgehängt wird". Im Bundestag werde nach dem Motto gearbeitet, die Braunkohle und das Erdöl hätten ihre Schuldigkeit getan. "Wir brauchen aber keine Sozialpläne, wir brauchen Strukturpläne", sagte Bülow.

Ohne tragfähige Konzepte für den ländlichen Raum würden Schulen und Kitas schließen. In Flächenkreisen sei das Leben schon heute nicht mehr romantisch. "Ältere Menschen bleiben auf der Strecke und Auszubildende wissen nicht mehr, wie sie zur Arbeit kommen sollen", so Bülow. Der öffentliche Personenverkehr sei längst kein Liniennetz mehr, sondern ein "Linienloch".

Zum Thema:
Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow (47) ist bei der Wahlkonferenz seiner Partei für die Bundestagswahl 2017 gescheitert. Der Unternehmer unterlag in Dresden in der Abstimmung um den Direktkandidaten für den Wahlkreis 160, teilte die FDP mit. Zastrow erhielte 19 Stimmen, sein Mitbewerber Christoph Blödner (34) 20 Stimmen. Im Wahlkreis 159 tritt Robert Malorny (37) an. Zastrow hatte die Sachsen-FDP nach ihrem desaströsen Abschneiden bei der Landtagswahl im Jahr 1999 (1,1 Prozent der Stimmen) übernommen und bis in Regierungsverantwortung geführt.