Wie sah der Einsatz bisher aus?
In den ersten drei Jahren des EU-Einsatzes "Atalanta" - benannt nach einer kämpferischen Dame aus der griechischen Sagenwelt - durfte die Bundeswehr gegen die Piraten aus Somalia nur vorgehen, solange diese auf See waren. Hatten sie festen Boden unter den Füßen, mussten die Soldaten tatenlos zusehen. Das sorgte immer wieder für Frust.

Was soll sich ändern?
Auf Beschluss des Bundeskabinetts ist künftig auch die Piratenjagd an Land erlaubt. Allerdings gibt es zwei wichtige Einschränkungen. Angegriffen darf landeinwärts nur in maximal 2000 Metern Entfernung von der Küste. Und: Nur aus der Luft. Bodeneinsätze bleiben grundsätzlich verboten. Der Bundestag muss das neue Mandat noch absegnen. Aber das ist Formsache, auch wenn SPD und Grüne nicht mehr zustimmen wollen. Die schwarz-gelbe Mehrheit reicht.

Was sagen die Militärs dazu?
Damit trägt die Politik Forderungen Rechnung, die die Militärs schon seit Langem erheben. Ein hochrangiger deutscher Soldat sagt dazu: "Auch die Hanse war erst erfolgreich, als sie Störtebeker und andere Piraten an Land bekämpft hat." Allerdings ärgert man sich in der Bundeswehr darüber, dass - im Unterschied zum EU-Operationsplan - das Zwei-Kilometer-Limit im Mandat nicht geheim geblieben ist. Damit wissen Somalias Piraten auch künftig, wo sie in Sicherheit sind.

Wie könnten die Angriffe in der Praxis aussehen?
Mit der neuen Strategie kann die internationale Truppe jetzt auch Stellungen an Land zerstören: Funkstationen, Materiallager und auch Boote, die für neue Kaperfahrten bereitliegen. Die Angriffe sollen mit Hubschraubern geflogen werden, die die großen "Atalanta"-Schiffe an Bord haben. Die deutsche Fregatte "Bremen" zum Beispiel, die von Mitte Mai an dabei sein wird, verfügt über zwei Helikopter. Insgesamt hat die Bundeswehr derzeit mehr als 340 Soldaten im Einsatz.

Wo liegen die Risiken?
Der Albtraum hat schon einen Namen: "Black Hawk Down". Das ist der Titel, unter dem Hollywood den Absturz eines amerikanischen Kampfhubschraubers 1993 in Somalia verfilmte. Die Bilder der toten US-Soldaten, die von einem Mob durch die Straßen geschleift werden, wirken bis heute nach. Das erklärt auch die Ausnahme beim Verbot von Boden-Einsätzen. "Die Durchführung etwaiger Rettungsmaßnahmen bleibt davon unberührt", heißt es im Mandat. Bedeutet: Wenn ein deutscher Hubschrauber abgeschossen wird, darf auch am Boden geholfen werden.

Was ist mit den Ursachen der Piraterie?
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderten gestern erneut, dass die Staatenbildung in Somalia ebenso vorangetrieben wird wie die Verfolgung der Hintermänner und der Kampf gegen die Geldwäsche. Im vergangenen Jahr gab es nach offiziellen Angaben am Horn von Afrika 176 Piraten-Angriffe. Insgesamt 25 Schiffe wurden gekapert. Nach Schätzungen wurden mehr als 140 Millionen Dollar Lösegeld erpresst.

Zum Thema:
Der Name der EU-Anti-Piraten-Mission "Atalanta" am Horn von Afrika ist der griechischen Mythologie entlehnt. Namenspatronin ist die amazonenhafte Jägerin und schnellste Läuferin Griechenlands, Atalanta (Atalante). Die einst in den Bergen ausgesetzte Königstochter hatte ewige Jungfräulichkeit geschworen und eine Regel aufgestellt: Nur wer sie im Wettlauf besiegt, darf sie heiraten. Doch Atalanta holte im Rennen alle Freier ein - und tötete sie. Erst der verliebte Melanion kam ans Ziel. Während des Wettlaufs ließ er goldene Äpfel der Liebesgöttin Aphrodite fallen. Atalanta bückte sich nach ihnen, wurde im Rennen besiegt - und geheiratet. dpa/bl