Die Piratenpartei hat sich für die nächsten Wahlen neu aufgestellt und dabei auch einen Berliner ins Führungsteam berufen. Neuer Vorsitzender wurde auf dem zweitägigen Parteitag in Neumünster der Hamburger Bernd Schlömer, der als Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium in Berlin arbeitet. Der 41-Jährige soll internen Streit beilegen und das Profil der Partei deutlicher sichtbar machen, als es sein Vorgänger Sebastian Nerz getan hat. Der 35 Jahre alte Berliner Johannes Ponader wurde zum politischen Geschäftsführer gewählt.

Schlömer erhielt am Samstag mit 66,6 Prozent die meisten Stimmen der acht Kandidaten - die Mitglieder konnten dabei mehreren Kandidaten ihre Stimme geben. Nach seiner Wahl sagte der neue Parteichef vor Journalisten zu rechtsextremen Äußerungen aus den eigenen Reihen, er sei überzeugt, "dass man diese Probleme nur in den Griff bekommt, wenn man viel spricht".

Der Berliner Ponader wurde zum Nachfolger der politischen Geschäftsführerin Marina Weisband gewählt, die aus persönlichen Gründen nicht mehr antrat. Der 35-Jährige engagiert sich auch bei den Kapitalismus-Kritikern der Occupy-Bewegung.

Die Politikwissenschaftlerin Julia Schramm aus dem für die Piraten besonders wichtigen Landesverband Berlin bemühte sich zunächst vergeblich um ein Amt im Bundesvorstand. Nachdem ihre Kandidatur als Vorsitzende gescheitert war, wurde sie am Sonntag aber doch noch knapp zur Beisitzerin gewählt.

Zeitweise überschattet wurde der Parteitag von der seit Wochen andauernden Rechtsextremismus-Debatte bei den Piraten. Nachdem ein Mitglied am Rande der Versammlung gesagt hatte, man könne über den Holocaust diskutieren, wurde der Parteitag unterbrochen. Ohne Gegenstimme verabschiedeten die Teilnehmer dann eine Entschließung mit der Formulierung: "Der Holocaust ist unbestreitbarer Teil der Geschichte. Ihn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu leugnen oder zu relativieren, widerspricht den Grundsätzen der Partei."