"Piraten an Bord!" ist dieses Mal ausnahmsweise kein Schreckensruf. Als das ZDF-"Traumschiff" Ende der Woche durch die Gewässer am Horn von Afrika kreuzt, haben Seeräuber nicht die "MS Deutschland" geentert, sondern befinden sich in sicherem Gewahrsam an Deck der Fregatte "Rheinland-Pfalz" gleich nebenan: Das deutsche Kriegsschiff geleitet den Kreuzfahrer zur Freude der Passagiere in wenigen Metern Entfernung durch das Piratengebiet. Weniger freudig geht die Woche für die neun gefangenen Somalier zu Ende: Nach einer Entscheidung der Hamburger Staatsanwaltschaft ist klar, dass sie in Kenia vor Gericht kommen und nicht in Deutschland - und schon gar nicht wie in einigen früheren Fällen wieder freigelassen werden. Für Kenia ist die Übernahme mutmaßlicher Piraten nicht neu: Das Land hat vor der EU bereits mit den USA ein Überstellungsabkommen geschlossen. Internationale Rechtsexperten weisen jedoch auf zahlreiche Probleme des kenianischen Rechtswesens hin. Verdächtige würden oft lange ohne Anklage festgehalten, hätten unzureichenden Zugang zu Rechtsvertretern, Verfahren verliefen oft schleppend, kritisierte etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die Übereinkunft zwischen der EU und Kenia soll dennoch angemessene Verfahren und Strafen gewährleisten: Folter und eine grausame Bestrafung - etwa mit dem Tode - wird ausgeschlossen, eine Vertretung durch einen Rechtsanwalt festgelegt und eine angemessene Unterbringung zugesichert. Die Staatsanwälte kommen schließlich zu dem Ergebnis, dass in Kenia Piraterie ebenfalls strafbar ist und "Mindeststandards bei der Durchführung eines Strafverfahrens" gesichert sind, wie ihr Sprecher Wilhelm Möllers sagt. Auf Nachfrage betont er: "Unter Abwägung aller Gesichtspunkte haben wir eine völlig unabhängige Entscheidung getroffen." Für die "Rheinland-Pfalz" geht die Fahrt damit planmäßig weiter Richtung Mombasa. www.lr-online.de/piraten