Der Spitzenkandidat von Sachsens Piraten steht fest: Die Partei geht mit dem 30 Jahre alten Sebastian Harmel in die Bundestagswahl. "Wir wollen einen engagierten Wahlkampf führen, um wieder mehr Menschen für Politik zu begeistern", erklärte Harmel am gestrigen Sonntag. Er ist nach Angaben der Partei Angehöriger der Bundeswehr und stammt aus Dresden. Insgesamt wurden am Wochenende beim Landesparteitag im mittelsächsischen Claußnitz 14 Kandidaten für die Landesliste aufgestellt, mit der die Partei zur Bundestagswahl im Herbst antreten will. Beworben hatten sich insgesamt 24 Piraten.

Die Aufstellung lief allerdings nicht ohne Streit ab: Der Leipziger Bewerber Matthias Jung zog seine Kandidatur aus Protest zurück, nachdem es heftige Debatten um die Kandidatur von Thomas Walter, gegeben hatte. Der Leipziger Notar war im Dezember bei einer umstrittenen Wahl zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl gekürt worden. Angeblich soll sein Sieg aber erst durch Mitglieder möglich geworden sein, die kurz vor der Wahl der Partei beitraten - und für Walter stimmten. Das spaltete zuletzt den Leipziger Kreisverband, hieß es in einer Mitteilung. Walter hielt am Wochenende zwar an seiner Kandidatur fest, wurde aber nicht auf die Liste gewählt.

"Die Streitigkeiten betreffen nur den Leipziger Kreis, die Stimmung im Landesverband der Piraten ist gut", sagte ein Sprecher der Partei dazu am gestrigen Sonntag. Mit der Aufstellung einer Landesliste beschreiten die rund 900 Mitglieder Neuland: Zur Bundestagswahl 2009 waren die sächsischen Piraten die einzigen in Deutschland noch ohne eigene Landesliste.

Zu der für alle Piraten offenen Versammlung in Claußnitz kamen rund 160 Mitglieder - mehr als 220 Politikinteressierte verfolgten nach Partei-Angaben den Live-Stream im Internet. Nach der Listenaufstellung am Samstag haben die Piraten dann am gestrigen Sonntag auf einem direkt anschließenden regulären Parteitag ihre Programm- und Satzungsfragen beraten, erste Ergebnisse werden allerdings erst für den heutigen Montag erwartet.