Von diesem Waldbrand bei Pinnow werden die eingesetzten Kameraden sicher noch eine ganze Weile erzählen. Auch Fritz Bähro, der schon vieles erlebt hat, wenn Waldbrände gelöscht werden mussten. "1993 sind die Flammen im Wald bei Guben auf uns zugekommen und schließlich über uns hinweggegangen", erinnert er sich. "Bei diesem Wipfelbrand hatten wir höllisch Glück." Dass es aus frisch eingeschlagenen Baumkronen laut knallt, wenn sie von den Flammen erfasst werden, daran sind die Kameraden auch gewöhnt.

Vergrabene Munition explodiert
"Doch Pinnow - das war anders", sagt Bähro. "Fontänen aus Erde und Glut schossen aus dem Waldboden. Überall knallte es." Offenbar hatte der Brand vergrabene Munition zur Explosion gebracht. Die Kameraden mussten raus aus dem Wald. Aus sicherer Entfernung wurde das Geschehen kontrolliert und der Munitionsbergungsdienst informiert. Die sechs Drewitzer Feuerwehrleute, darunter Bähros jüngerer Sohn Wolfgang, waren gegen halb acht wieder zu Hause. "Der Einsatz ist aber erst beendet, wenn alle Lösch-Utensilien wieder in Ordnung gebracht und einsatzbereit sind", schildert der 28-jährige Sohn, was er vom Vater gelernt hat. "Es war gut, dass wir einen erfahrenen Kameraden wie Fritz Bähro in Pinnow vor Ort hatten", schätzt der Peitzer Amtswehrführer Gerd Krautz ein. Auch Krautz, ehemaliger Drewitzer, ist übrigens bei Fritz Bähro in die "Lehre" gegangen und erinnert sich gern zurück: "Er hat uns beigebracht, was Kameradschaft ist." Und, mit seinem Wissen habe er nie hinterm Berg gehalten, sondern es an Generationen von jungen Feuerwehrleuten weitergegeben.

Ehefrau Ursula: Hunderte Einsätze
Diese Erfahrungen hat der gebürtige Drewitzer in 22 Jahren als Berufsfeuerwehrmann - zuerst in Guben und dann bei der Betriebsfeuerwehr im Kraftwerk Jänschwalde - erworben. Die Einsätze habe er nicht gezählt, sagt der gelernte Tischler ("Das habe ich gelernt, weil es keine Lehre als Feuerwehrmann gegeben hat.") bescheiden. Aber Ehefrau Ursula rückt zurecht, dass es natürlich hunderte gewesen seien. Am Tag vor ihrer Hochzeit habe er sie übrigens wissen lassen, worauf sie sich einlasse. "Er hat zu mir gesagt: Es kann sein, dass ich morgen früh nicht erscheine."
Ursula Bähro wusste fortan, dass ihr Fritz mit der Feuerwehr lebt. Und sie hat sich auf dieses, auch gefährliche, Leben eingestellt. "Dennoch habe ich mir nie Sorgen machen müssen. An die Gefahr hatte ich mich gewöhnt", erzählt sie. "Nur einmal, da habe ich plötzlich richtig Angst bekommen." Fritz sei erst frühmorgens von einem Einsatz nach Hause gekommen. Er habe in der Wohnung gestanden, seine Sachen hätten stark nach Qualm gerochen. "Da sagte er: Heute ist ein Balken von einem Dachstuhl nur ganz knapp neben mir heruntergekommen."
1990 wurde Fritz Bähro in Jänsch walde der Vorruhestand angeboten. "Den habe ich schließlich angenommen. Ich wusste aber, dass ich weiter Feuerwehrmann sein würde." Das Ende seiner Berufslaufbahn wurde für Fritz Bähro damit erträglicher. Außerdem war Sohn Wolfgang - wie einst der Vater - bereits mit 17 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr in Drewitz beigetreten. Er ist Jugendwart und lernt noch vom Vater.

Steckbrief Familienmensch mit unerfülltem Jugendtraum
Geboren am 5. April 1943 in Drewitz (Spree-Neiße).
Familie: Ehefrau Ursula, Söhne Stefan (34) und Wolfgang (28), zwei Enkel.
Beruf: Tischler, Feuerwehrmann.
Größte Niederlage: Davon habe ich nichts gemerkt.
Größter Erfolg: Dass die Familie gesund ist und es ihr gut geht.
Zuletzt geärgert habe ich mich, dass die Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr, die in der DDR dem Ministerium des Innern zugeordnet war, im Einigungsvertrag keine Anerkennung fand. Für mich waren das immerhin 22 Jahre.
Zuletzt gefreut habe ich mich über die Geburt unseres zweiten Enkels, John-Niclas.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir ein Pferd wünschen und einen Jugendtraum erfüllen.
Lebensmotto: Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht.
Vorbilder: Das waren oft Kollegen im Beruf, denen ich etwas abgucken konnte.
Was ich noch sagen wollte: Ich wünsche mir von der Politik Wege zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Damit die jungen Leute nicht mehr dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.