Trotz zahlreicher Warnschilder hat ein 80-Jähriger auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz Pilze gesucht - und sich damit in Lebensgefahr begeben. Denn zeitgleich war die Bundeswehr bei einer Schießübung mit scharfer Munition auf dem Gelände unterwegs.

Der Senior löste am Mittwochvormittag einen Großeinsatz von Polizei und Armee aus. Als die Bundeswehr von dem unvorsichtigen Pilzsammler erfuhr, wurde die Übung sofort unterbrochen.

Wie die Polizeidirektion Görlitz am Donnerstag mitteilte, blieb der Mann unverletzt. Allerdings klagte er über Schmerzen, die von einer Erkrankung herrührten. Deshalb wurde ein Arzt zur Behandlung herbeigerufen.

Nach Angaben der Polizei war der Senior am Vormittag gemeinsam mit seinem Bruder zum Pilzesuchen aufgebrochen. Beide betraten den Truppenübungsplatz an der Staatsstraße 127 bei Klein Priebus.

"Dort gibt es alle Nasen lang Warnschilder", sagte Polizeisprecher Thomas Knaup auf Anfrage. Die beiden Männer hätten das wohl nur "als grobe Empfehlung" verstanden.

Später verloren sich die Pilzsammler aus den Augen. Der 80-Jährige verirrte sich im Gelände, sein Bruder meldete ihn als vermisst. Daraufhin wurde das Schießen sofort unterbrochen, Polizei und Bundeswehr suchten nach dem Mann. Schließlich wurde er von Feldjägern gefunden.

"Der Truppenübungsplatz Oberlausitz ist Sperrgebiet. Bei uns herrscht ständiger Schießbetrieb, deshalb ist das Betreten verboten", erklärte Oberstleutnant Lutz Pauketat, Kommandant des 17 400 Hektar großen Geländes. Das Terrain sei mit gut einsehbaren Schildern in deutscher und polnischer Sprache deutlich gekennzeichnet, auch sämtliche Zufahrtswege seien markiert. Nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz kommt es immer wieder vor, dass Leute die Warnschilder auf den Übungsplätzen Oberlausitz und Königsbrück einfach ignorieren. "Wir raten dringend davon ab, diese Waldstücke zu betreten", sagte der Polizeisprecher.

Viele Pilzsammler würden die Gefahr in der Hoffnung missachten, auf dem unberührtem Gelände reiche Beute zu machen. Das sei lebensgefährlich. Die Polizei empfahl ferner, bei Waldspaziergängen und zur Pilzsuche ein eingeschaltetes Mobiltelefon mitzunehmen, um sich im Notfall melden zu können.