Die Eheleute Marianne und Manfred Markowski (Namen geändert) aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis (OSL) erhielten dieser Tage Post aus Frankfurt am Main. Absender war die Rechtsanwaltsgesellschaft Schultze&Braun. Beim Lesen des Briefes blieb den Markowskis fast das Herz stehen: Ein zu besagter Kanzlei gehörender Rechtsanwalt Frank Schmitt, vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter der Phoenix Kapitaldienst GmbH, fordert vom Ehepaar über 1000 Euro Rückzahlung. Diese Summe hätten sie einst von der Betrugs-Firma Phoenix als Scheingewinne kassiert, heißt es. Die Begründung für die Forderung ist gespickt mit Urteilen und Aktenzeichen von Gerichtsurteilen, die die Markowskis mehr verunsichern statt aufklären.

Staatlicher Aufsicht vertraut
Das Ehepaar versteht die Welt nicht mehr. Im Mai 2000 hatten sie bei Phoenix in eine Kollektivanlage namens Phoenix Managed Account (PMA) umgerechnet gut 2500 Euro angelegt und knapp 180 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlt. Es waren Ersparnisse vom Lohn, den Manfred Markowskis als Schlosser in einer Brikettfabrik bekommen hatte. Ein Versicherungsvertreter, dem sie vertrauten, hatte dem Ehepaar die Geldanlage mit guten Renditeaussichten schmackhaft gemacht. „Wir wollten zusätzlich etwas für unsere Altersvorsorge tun. Deshalb haben wir den Vertrag abgeschlossen“ , sagt Manfred Markowski.
Das Phoenix-Geschäft erweckte einen seriösen Eindruck, zumal die Firma von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Genehmigung zu Geldanlagen vorweisen konnte. Der Makler, der ebenfalls im OSL-Kreis zu Hause ist, hatte bei der Unterbreitung der Offerte ein gutes Gewissen. „Es gibt zwar viele Warnungen vor dem grauen Kapitalmarkt. Bei Phoenix aber hatte doch die BaFin ihre Zustimmung gegeben“ , sagte er gegenüber der RUNDSSCHAU.
Alles lief zunächst bestens. Monatlich erhielten die Anleger aus der Lausitz von Phoenix die Kontoauszüge. Zwar war darauf auch mal Verlust ausgewiesen. Meistens aber brachten die eingezahlten 2500 Euro Gewinne, die über den Erträgen von Banken und Sparkassen lagen. Die Zinsen ließ sich das Ehepaar auszahlen, insgesamt über 1000 Euro. Ende Juli 2003 lösten sie das Anlagekonto auf. Als sie vor Monaten aus der RUNDSCHAU erfuhren, dass Phoenix betrogen hat und dass zwei Manager deswegen ins Gefängnis mussten, waren sie noch nachträglich erleichtert darüber.
Seit besagter Brief von Rechtsanwalt Schmitt ins Haus flatterte, ist es allerdings mit der Freude über das Geschäft vorbei. Dabei sind sich Markowskis nach wie vor keiner Verfehlung bewusst. „Wir haben bei Phoenix Geld eingezahlt. Die haben damit gearbeitet“ , sagt Manfred Markowski und schüttelt den Kopf. „Mit einem Mal sollen Zinsen, die wir erhalten haben, Scheingewinne und wir quasi Betrüger sein“ , schimpft er.
Die Situation ist allerdings kompliziert, bestätigt Rechtsanwalt Andreas Brunzel aus Meiningen. Er vertritt inzwischen eine ganze Reihe von einstigen Phoenix-Anlegern auch aus der Lausitz und der Elbe-Elster-Region. In der Tat habe nämlich der Bundesgerichtshof (BGH) in Urteilen festgestellt, dass Erträge zurückzuzahlen sind, wenn sie aus Scheingewinnen einer Firma, in diesem Falle von Phoenix, stammen. Die kriminellen Manager hatten nämlich nur einen geringen Teil der eingesammelten Kundengelder bei Brokern in London angelegt. Mit der Mehrheit der Millionen Euro dagegen hatten sie andere Anleger mit Zinsauszahlungen gelockt und sich außerdem privat ein süßes Leben finanziert.

Regelungen fehlen
Die Summen, die dabei offensichtlich bewegt wurden, hören sich gigantisch an. Bis zu 800 Millionen Euro sollen veruntreut, etwa 30 000 Anlagekunden betrogen worden sein. Zunächst verbuchten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Investoren wie die Markowskis teils Scheingewinne. Viele wurden dadurch zu höheren Investitionen verleitet und stehen heute mit gänzlich leeren Händen da.
Wie es für die geprellten Anleger weitergeht, ist nach Ansicht von Rechtsanwalt Andreas Brunzel völlig offen. „Noch gibt es zu Entschädigungen im Fall Phoenix keine richterlichen Entscheidungen“ , so Brunzel. Er sei gespannt, wie diese ausfallen. „Richter diskutieren selbst noch kontrovers, wie zu verfahren ist“ , weiß er aus Gesprächen mit Juristenkollegen. Phoenix beispielsweise habe ja, wenn auch in geringerem Umfang, tatsächlich Gewinne erwirtschaftet, nennt Brunzel einen Streitpunkt. Strittig sei seiner Meinung nach auch, wie zu verfahren sei, wenn die Empfänger der Zinsen das Geld ausgegeben haben. Sie seien ja in gutem Glauben davon ausgegangen, dass ihr Vermögen seriös angelegt wurde. „Es gibt noch sehr viele Zweifel. So einfach, wie es sich der Insolvenzverwalter vorstellt, geht es nicht“ , ist Brunzel überzeugt.
Der hofft, dass er allein durch Rückforderungen von Scheingewinnen 100 Millionen Euro in die Insolvenzkasse bekommt. Völlig offen ist, was Anleger zurückbekommen, die anders als die Markowskis zum Zeitpunkt der Insolvenz Anfang 2005 noch Geld bei Phoenix angelegt hatten. Davon dürfte es auch in der Lausitz und der Elbe-Elster-Region noch eine ganze Anzahl geben, ist sich Rechtsanwalt Brunzel angesichts seiner Mandantenschaft sicher. Anlagenschützer befürchten, dass es bei der Verteilung der Insolvenzmasse ein „Hauen und Stechen“ gibt. Am Ende dürften Musterprozesse beim BGH die Höhe der Rückzahlungsquote bestimmen. Klar ist aus jetziger Sicht zudem, dass die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) Verluste nur begrenzt ausgleichen kann.
Nach Auskunft der Bundesregierung betrug der Kassenbestand des EdW Ende des Jahres nur fünf Millionen Euro. Experten gehen davon aus, dass das Insolvenzverfahren von Phoenix bis zu fünf Jahre dauern und elf Millionen Euro kosten wird.

Hintergrund Aus dem Erfolg wurde ein Betrug
  Die Phoenix Kapitaldienst GmbH wurde vor 30 Jahren in Frankfurt am Main gegründet und erwarb 1998 den Status einer Wertpapier-Handelsbank.
1992 legte Phoenix den Managed Account (PMA) auf. Durch Erfolgsmeldungen über jährliche Renditen zwischen elf und 18 Prozent wurde PMA zum Geheimtipp.
Die Werbung mit der Aufsicht durch die BaFin und der EdW-Mitgliedschaft verbreitete Vertrauen.
Im April 2004 starb Unternehmensgründer Dieter Breitkreuz bei einem Flugzeugabsturz. Danach einsetzende Überprüfungen der Bücher brachten den Betrugsfall ins Rollen.
Im März 2005 untersagte die
BaFin den Wertpapierhandel. Das Amtsgericht Frankfurt am Main eröffnete das Insolvenzverfahren.
Im Juli 2006 wurden der Ex- Prokurist von Phoenix zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die einstige Geschäftsführerin erhielt zwei Jahre und drei Monate Haft.