Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ließ deswegen die Statistik für 2014 vor der Veröffentlichung überarbeiten. "Ich habe zur Kenntnis genommen, dass es eine Lage gab, die nicht bundeseinheitlich war", sagte Schröter. Er habe deswegen Anfang 2015 die Anweisung gegeben, die Kriminalstatistik für 2014 "ganz streng nach den bundeseinheitlichen Vorgaben" zu erstellen.

Insgesamt 29 Beamte wurden abgestellt, um die bereits vorliegenden Daten noch einmal zu bewerten. Das Ergebnis: Durch die Überprüfung von 21 226 Datensätzen vor allem aus dem Bereich der Diebstahlkriminalität kamen 3985 zusätzliche Fälle zur Statistik hinzu. Sie waren zuvor als Teil einer anderen Straftat gewertet wurden - so wurden Diebstähle aus mehreren Autos, die in derselben Straße etwa zum selben Zeitpunkt aufgebrochen wurden, entgegen der bundesweit üblichen Regelung als ein Fall von mehrfachem Diebstahl und nicht als mehrere Einzelfälle gezählt.

Doch während Schröter die Kriminalstatistik für 2014 nacharbeiten ließ, wird das für 2013 nicht mehr geschehen. "Wir rechnen es Innenminister Schröter hoch an, dass er rückwirkend eine Überprüfung der Statistik für 2014 angeordnet hat und für 2015 und die Folgejahre wieder die Richtlinien des BKA konsequent umgesetzt werden", sagte der Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Klaus Schuster.

Eng werden könnte es dagegen jetzt für Innenstaatssekretär Arne Feuring. Der frühere Polizeipräsident hatte die Statistik im Innenausschuss stets gerechtfertigt. Auf die Frage von Journalisten, ob er an Feuring festhalte, erklärte Schröter lediglich: "Ich arbeite mit meinem Staatssekretär zusammen." Die Formulierung, dass Feuring das Vertrauen des Ministers habe, vermied Schröter dagegen auch auf wiederholte Nachfrage.

Deutlicher noch wird die Opposition. "Wir haben schon vor Monaten den Rücktritt von Arne Feuring als Polizeipräsident gefordert", sagte der CDU-Innenexperte Björn Lakenmacher am Freitag gegenüber der RUNDSCHAU. "Nachdem nun herausgekommen ist, dass auch in der Polizeidirektion Süd die umstrittenen Zählmethoden zur Anwendung gekommen sind, ist Arne Feuring als Staatssekretär nicht mehr zu halten." Ähnlich äußerte sich auch die Innenexpertin der Grünen, Ursula Nonnemacher: "Der Minister muss im eigenen Hause für Klarheit sorgen." Die Einflussnahme Feurings auf die Statistik müsse vollständig aufgeklärt und solches Fehlverhalten für die Zukunft ausgeschlossen werden.

Fast zur Nebensache gerieten am Freitag die eigentlichen Inhalte der Kriminalitätsstatistik, zumal alle Vergleichswerte aus dem Jahr 2013 weiterhin mit Vorsicht zu genießen sind. Insgesamt sank die Zahl der Straftaten im Land von 197 228 im Jahr 2013 auf 196 033, was einem Rückgang der Fälle um mindestens 0,6 Prozent entspricht. Zugleich wurden weniger Taten aufgeklärt - nur noch 52,4 Prozent, zwei Prozent weniger als in der fragwürdigen Statistik 2013.

Deutlich gestiegen sind die Diebstahldelikte, insbesondere aus Bodenräumen, Carports und Garagen sowie von Fahrrädern. Hier bilden nach Angaben des amtierenden Polizeipräsidenten Hans-Jürgen Mörke vor allem Cottbus und Spree-Neiße einen Schwerpunkt. Keinen weiteren Anstieg gab es dagegen bei den Wohnungseinbrüchen - mit 3991 Fällen verzeichnete die Statistik in etwa so viele Einbrüche wie 2013, als 4001 Fälle gezählt wurden.

Innenminister Schröter verwies allerdings darauf, dass es die Brandenburger den Einbrechern noch immer zu leicht machten: In Brandenburg würden 70 Prozent aller Einbruchsversuche gelingen, im Bundesdurchschnitt seien dies nur 60 Prozent. Er habe deswegen in einem ersten Schritt die Zahl der mit Präventionsarbeit betrauten Beamten von derzeit noch etwa 80 auf 120 erhöhen lassen. In der umstrittenen rot-roten Polizeireform war ursprünglich eine Zielzahl von 48 Präventionsbeamten vorgesehen.