Neben den technischen Fehlern seien es vor allem die Verträge, die die Bauherrn mit Generalunternehmern abschließen, benennt Mattis das größte Problem bei Ein- und Zweifamilienhäusern. "Ich habe noch nicht einen Vertrag gesehen, den ich so unterschrieben hätte", sagt der Ingenieur. Oftmals werde eine Bauleitplanung nicht vereinbart, feste Fertigstellungstermine fehlten ebenso wie konkrete Beschreibungen der Ausstattungsqualität. Jedes Extra, das der Bauherr dann verlange, müsse er auch extra bezahlen, berichtet Mattis. Und das treibe die Kosten schnell in die Höhe. Zudem würden Abschlagszahlungen vereinbart, die mit dem Baufortschritt nichts zu tun haben.
Der enorme Kostendruck in der Branche verschärfe das Problem zusätzlich. Wenn ein Unternehmer sparen muss, dann fange er oftmals beim Material an, sagt Mattis. Und das könne kaum ein Laie überprüfen. Der Einsatz eines unabhängigen Gutachters sei daher sehr wichtig. Aber leider seien die Finanzierungen bei den Häuslebauern so eng kalkuliert, dass dafür kein Geld mehr vorgesehen sei.
Für 5484 Ein- und Zweifamilienhäuser wurden im vergangenen Jahr in Sachsen Baugenehmigungen erteilt. Bei einem Durchschnittspreis von 146 000 Euro pro Haus entsprechen Mehrkosten von jeweils 23 000 Euro einer Überschreitung von
15 Prozent. Das Problem sieht auch der sächsische Bauindustrieverband und er macht sich für die Einführung eines Präqualifikationsregisters auch in Sachsen stark. Daraus könnten Bauherren ablesen, wie zuverlässig und qualifiziert die Unternehmen seien, sagt Hauptgeschäftsführer Robert Momberg. Leider wisse man bisher beim Bau immer erst hinterher, wie gut oder schlecht die Handwerker gearbeitet haben. "Jedes Haus ist ein Unikat." Und weil nicht von der Stange gebaut werde, gebe es natürlich auch zahlreiche Fehlerquellen.
Als solche hat der VPB vor allem Dächer, Keller und die Wärmedämmungen rund ums Haus ausgemacht. Feuchtigkeit, die durch mangelhafte Abdichtungen einsickere und schließlich zu Schimmelbildung führen könne, sei eines der größten Probleme. Ein Laie könne das kaum überprüfen, sagt Mattis. Zumal die Schäden erst Jahre später aufträten. Und der hohe Kostendruck verleite die Unternehmen gerade dazu, an diesem Punkt zu sparen. Bei Ausstattungen wie Fliesen und Fußböden träten wiederum die oft einseitigen Verträge zutage. "Meist ist das nur vage beschrieben und jedes Mehr an Qualität müssen Sie extra bezahlen", sagt Mattis.