Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) legt sich ins Zeug. Kürzlich verabschiedete der Bundestag seine umfassende Pflegereform, am Freitag präsentierte Gröhe zusammen mit Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Regierungspläne zur Neuausrichtung der Pflegeausbildung. Die Jobs in dem immer wichtiger werdenden Gesundheitsbereich sollen deutlich attraktiver werden - auch finanziell. Allerdings erst ab 2018.

as hat die Bundesregierung vor?
Sie will die bislang getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege zu einer einheitlichen "generalistischen" Ausbildung zusammenführen. Zudem wird ein akademischer Ausbildungsweg eingeführt und die Aufstiegschancen Pflegender verbessert. Das Gesetz soll 2016 verabschiedet werden. Aber da dann noch diverse Verordnungen und Rahmenpläne erarbeitet werden müssen, kann es erst 2018 in Kraft treten.

Wie lange wird die neue Ausbildung dauern?
Drei Jahre. Danach lautet die Berufsbezeichnung Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Durch spezielle Ausbildungsmodule sollen die Lernenden ihren Neigungen für den einen oder anderen Bereich nachkommen können. Ergänzend wird eine dreijährige Ausbildung an Hochschulen mit einem akademischen Abschluss angeboten. Sozusagen als Motivationsschub.

Welche Änderungen gibt es bei der Bezahlung?
Künftig muss kein Schulgeld mehr bezahlt werden, wie das in einigen Bundesländern noch der Fall ist. Azubis sollen stattdessen eine "angemessene Ausbildungsvergütung" erhalten. Beide Minister waren sich am Freitag sicher, dass die Bezahlung von Pflegekräften insgesamt steigen wird. Konkrete Zahlen wollten Gröhe und Schwesig nicht nennen. Fakt ist, dass es bisher innerhalb der Sparte deutliche Einkommensunterschiede gibt. So verdienen Altenpfleger meist weniger als Pfleger im Krankenhaus. Laut Branchenverbänden liegen die Einstiegsgehälter zwischen 1400 und 2250 Euro Brutto.

Warum ist die Pflegereform notwendig?
Schon lange warnen Experten, dass alle Reformen nichts nützen, wenn der Beruf nicht attraktiver gemacht wird. Es fehlt an qualifiziertem Personal in Krankenhäusern und Einrichtungen. Allein in der Altenpflege wird der Mangel auf 30 000 Kräfte geschätzt. Insgesamt sollen laut einer Untersuchung eine halbe Million Fachkräfte in den unterschiedlichen Pflegesparten fehlen, weshalb Migranten für diesen Bereich immer wichtiger geworden sind. Durch die Reform, so die Minister, sei es künftig möglich, innerhalb der Branche zu wechseln. Was wichtiger werde in einer alternden Gesellschaft. So müssten Pflegekräfte im Altenheim häufig auch chronisch Kranke versorgen, betonte Gröhe. Während das Personal im Krankenhaus es beispielsweise immer öfter mit Demenzkranken zu tun habe.

Was sagen die Kritiker?
Vor allem die "generalistische" Ausbildung ist umstritten. Pflege- und Wohlfahrtsverbände begrüßen zwar den Schritt. Demgegenüber erklärt etwa das Bündnis für Altenpflege: "Das geplante Gesetz führt zur Gefährdung der Versorgungsqualität." Damit würde die Altenpflege faktisch abgeschafft. Andere Kritiker warnen vor einer Verflachung der Kenntnisse. "Die Pflege kranker Kinder wird sehr darunter leiden", hieß es kürzlich seitens der Kinder- und Jugendärzte.