Plätzchen backen, Lieder singen, Festessen und sogar eigene Weihnachtsmärkte - auch in Sachsens Pflegeheimen wird die Adventszeit und der Heiligabend gefeiert. Die meisten Bewohner verbringen auch die Festtage im Heim, ergab eine Umfrage. Immer seltener werden sie von ihren Angehörigen abgeholt, um die Weihnachtszeit im Kreis ihrer Lieben zu verbringen. Mehr als 45 000 pflegebedürftige Sachsen leben derzeit laut Statistik in Altenheimen.

"Immer mehr Menschen sind demenzkrank oder stark pflegebedürftig, sie nach Hause zu holen, trauen sich die Angehörigen oft nicht zu", hat Robert Geburek beobachtet. Er leitet das Altenpflegeheim "Zur Heimat" in Bischofswerda. Von den insgesamt 62 Bewohnern werden höchstens zwei an den Feiertagen nach Hause geholt. "Die meisten Verwandten kommen Weihnachten für ein bis zwei Stunden", erklärte Geburek. Zu den Feiertagen wird das Heim festlich geschmückt, die Kirchgemeinden sorgen für ein buntes Programm. Im Hof lockt ein kleiner Weihnachtsmarkt mit Ständen. "Damit alle den typischen Duft schnuppern und die Atmosphäre genießen können." Gerade in der Weihnachtszeit wünscht sich Geburek mehr Personal. "Denn das Redebedürfnis an diesem Tag ist groß."

Auch Ines Vogel vom Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) weiß, dass Weihnachten eine sehr emotionale Zeit ist. Gerade Demenzkranke würden sich durch die alten Lieder und vertraute Rituale wieder an ihre Kindheit erinnern. Bei der AWO seien deshalb während der Feiertage Ehrenamtliche im Einsatz - um den Geschichten, Sorgen und Nöten der alten Menschen zu lauschen. "Denn dafür bleibt bei der heutigen Minutenpflege oft zu wenig Zeit", sagte Ines Vogel.

Die AWO unterhält knapp 70 stationäre Pflegeeinrichtungen in Sachsen - am Heiligabend stehen überall Weihnachtsfeiern, festliches Essen oder Besuche vom Kirchenchor auf dem Programm. In Dresdner Albert-Schweitzer-Heim wird im Foyer ein Weihnachtsmarkt mit Stollen, Glühwein, und Liedersingen organisiert. "Für diejenigen, die den Striezelmarkt nicht mehr besuchen können."

Nach Einschätzung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen will jede Einrichtung gerade die Weihnachtszeit so angenehm wie möglich gestalten. "Vor allem, weil die meisten Bewohner die Feiertage im Heim verbringen", sagte Alexandra Neumeier vom Fachausschuss Altenhilfe. Plätzchen backen, ein geschmückter Baum und Weihnachtsfeier gehörten einfach dazu. Vielerorts seien zudem Weihnachtssänger unterwegs, um etwa gemeinsam mit Bettlägerigen zu singen. "Allein bleibt niemand." Auch während der Feiertage gebe es genügend Personal, so Neumeier. Das sei nicht anders als an Wochenenden. Allerdings sei die Situation in der Pflege generell sehr schwierig. "Und das wird sich weiter zuspitzen", sagte Neumeier. Es gebe immer mehr Pflegebedürftige und weniger Azubis, die in diesem Bereich arbeiten wollen.