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Pfiffiger Studentenjob der etwas anderen Art

Ungewöhnlicher Job: Miriam Ludwig und ihre Brautkleider.
Ungewöhnlicher Job: Miriam Ludwig und ihre Brautkleider. FOTO: hil
Auch Studenten leben nicht von Luft und Liebe, die meisten von ihnen sind auf einen Job angewiesen, um ihren Unterhalt zu verdienen. Angebote sind in der Universitätsstadt Cottbus rar. Miriam Ludwig macht aus der Not eine Tugend und eröffnete ihren eigenen Laden mit exklusiver Second-Hand-Mode. Andrea Hilscher

Cottbus. Wer durch die Schloßkirchpassage in der Cottbuser City schlendert, sieht immer wieder junge und ältere Frauen, die sich an einem ganz bestimmten Schaufenster die Nasen platt drücken: Traumhafte Hochzeitskleider, üppige Ballroben, Seidenschuhe und verspielte Accessoires aus zweiter Hand, stilvoll zwischen edlen Antiquitäten präsentiert - ein Augenschmaus.

Die Cottbuser Studentin Miriam Ludwig (36) hat den Laden von der EG Wohnen zur Verfügung gestellt bekommen, um hier ihre Kleider ausstellen zu können. "Den Verkauf habe ich anfangs in einem Café hier in der Nachbarschaft abgewickelt, jetzt verkaufe ich direkt in der Passage", erzählt die Studentin.

Seit zwei Jahren lebt sie mit Mann und Tochter in Cottbus, seit einem Jahr studiert sie Grundschullehramt in Potsdam. "Ich bin abends immer erst gegen 18 Uhr in Cottbus, da bleibt nicht viel Zeit für einen Job", sagt sie. Vor ihrem Studium hat sie als freie Fotografin gearbeitet, nimmt auch jetzt immer wieder Aufträge an. "Aber die Cottbuser bleiben in dieser Hinsicht gern unter sich. Und ein Job in der Gastronomie kommt wegen meines Kindes nicht infrage." Also entschloss sie sich im vergangenen Herbst, Second-Hand-Mode zu verkaufen. Zunächst hatte sie nur ihre eigenen Sachen im Angebot, Kundinnen brachten sie dann auf die Idee mit den Brautkleidern.

Jetzt bietet Miriam Ludwig ihre Sachen einmal im Monat samstags und nach Vereinbarung in der Passage an. Leben kann sie noch nicht von ihrem Geschäft, doch sie ist zuversichtlich, dass ihr Kundenstamm wächst. "Auf jeden Fall ist diese Arbeit ganz gut mit dem Studium vereinbar." Sie überlegt, künftig auch freitags an ihrem vorlesungsfreien Tag zu öffnen. "Wenn ich mir einen kleinen Schreibtisch herstelle, kann ich auch hier arbeiten."

An "normalen" Tagen nutzt sie die Stunden im Zug zum Lernen und Lesen. "Meine Kommilitonen setzen sich dazu ins Café oder an den Schreibtisch, ich arbeite eben im Zug." So sei die Fahrtzeit sinnvoll genutzte Lebenszeit. "Dank des Semestertickets ist die Fahrerei auch nicht allzu teuer." Ihre Praktika und das Referendariat will sie in Cottbus absolvieren und später in der Region arbeiten.