Brandenburgs Verbraucherministerin Anita Tack (Linke) geht das im Pferdefleisch-Skandal angekündigte nationale Kontrollprogramm nicht weit genug. Zusätzlich müssten die Betriebe ihre Eigenkontrollen und deren Qualität verstärken, sagte Tack am Sonntag. Auf ihnen beruhe ganz wesentlich die Lebensmittelsicherheit in der Europäischen Union (EU). Es müsse Vorgaben zur Häufigkeit und Dokumentation der Checks geben. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein Kontrollprogramm mit zusätzlichen Tests angekündigt. Unterdessen wurde bekannt, dass der vom Pferdefleisch-Skandal betroffene Neuruppiner Konservenhersteller Dreistern sechs Lieferanten hatte. Es handele sich um vier deutsche, ein belgisches und ein niederländisches Unternehmen, teilte das brandenburgische Verbraucherschutzministerium mit. Mittlerweile seien alle von der Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG produzierten Chargen Rindergulasch zurückgerufen worden. Im Produkt mit der Bezeichnung "Rindergulasch 540g Omnimax" und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05. 11. 2015 war Pferde-DNA nachgewiesen worden. Verbraucher hätten die Möglichkeit, die Ware in dem Laden zurückzugeben, in dem sie sie gekauft haben, hieß es in einer Mitteilung der Neuruppiner Firma. Es handele sich jedoch um ein "sicheres, in keiner Weise die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigendes Lebensmittel".

Die nachgewiesenen Spuren von Pferde-DNA könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein". Das zurückgerufene Gulasch wurde nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließlich in Nordrhein-Westfalen vertrieben. Wegen des Verdachts auf nicht deklariertes Pferdefleisch wurden in Brandenburg laut Ministerium 28 500 Packungen Tiefkühl-Lasagne sichergestellt. Das Land sei informiert worden, dass möglicherweise zwei weitere Warenlager mit nicht deklariertem Pferdefleisch beliefert wurden. Zuvor waren schon drei andere Lager betroffen.

Am heutigen Montag wollen die Verbraucherschutzminister aus Bund und Ländern über Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal beraten.