Es ist eine geniale Kulisse: Das Neue Palais im weltberühmten Park von Potsdam-Sanssouci als Austragungsort olympischer Reiterwettbewerbe. 2024 oder 2028 könnte das möglich werden. Der in Gedankenspielen und dem Berliner Bewerbungskonzept auserkorene Austragungsort für Olympische Sommerspiele ist aber ein Unesco-Weltkulturerbe: ein sensibler Ort mit Baudenkmalen und unter Schutz stehenden historischen Gartenanlagen.

Genügt das Preußen-Erbe überhaupt den Ansprüchen der olympischen Disziplin? Finden Kunstliebhaber und Denkmalschützer mit Pferdesportlern und Olympia-Begeisterten einen gemeinsamen Nenner? Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh, sieht im Moment mehr Fragen als Antworten. "Es handelt sich um einen Vorschlag", sagt er. Grundsätzlich sei das nicht undenkbar. "Aber praktisch wäre die olympische Disziplin Dressurreiten im Park mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden", befürchtet er.

Die um die Welt gehenden TV-Bilder und Fotos sind nur die eine Seite der Medaille. Es gibt auch große Sorgen um möglicherweise von Pferdehufen zertrampelte Wege und historische Flächen. Auch logistische Fragen, wie der An- und Abtransport von Futter, müssen ins Auge gefasst werden. Nicht zuletzt treibt die Stiftung als Hausherr das Thema der Entsorgung um. Wie viele Pferdeäpfel verträgt die Anlage? Und wohin fließt der Urin? Immerhin trinkt jedes Tier täglich 30 bis 50 Liter Wasser und hinterlässt sechs bis sieben Kilogramm Mist.

Für die Sprecherin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Bundesverbandes für Pferdesport und Pferdezucht, Susann Hennig, sind die Probleme durchaus lösbar: Stroh saugt den Urin auf und die Pferdeäpfel werden täglich eingesammelt. Für etwa fünf Wettkampftage müssen etwa 70 bis 75 Pferde auf dem Areal am Neuen Palais Quartier beziehen. "Dazu kommen Reiter und Pfleger", sagt sie. Waschplätze, Boxen und Flächen zum Abreiten der Pferde müssten eingerichtet werden. Ein "Muss" sind Arbeitsplätze für Tierärzte und Hufschmiede.

Die reine Wettkampffläche für die Dressur misst in der Regel etwa 60 mal 20 Meter. Bei den Olympischen Spielen in London vor drei Jahren begeisterten die Reitsport-Wettbewerbe vor mehreren historischen Anlagen im "Greenwich Park" die Olympia-Fans.

"Der historische Boden wird geschützt", behauptet Susann Hennig angesichts bisheriger Erfahrungen. Spezielle Gummimatten würden ausgelegt, darauf komme ein Sandgemisch, das verdichtet und gewässert wird. Hinterher sei alles wieder leicht zu beseitigen, sagt sie.

Der Brandenburger Landeskonservator Thomas Drachenberg sieht das skeptisch. "Der Schutz der Substanz hat Priorität", erklärte er. Für ihn ist es unvorstellbar, dass die historische Anlage ohne Blessuren das Sportspektakel übersteht. "Was verträglich ist, muss erst geprüft werden", stellte Drachenberg fest.

Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786), Erbauer des Neuen Palais, hätte Olympia vielleicht auf seinem Besitz Zutritt gewährt. Zumindest war er ein ausgewiesener Pferdenarr. Sein Lieblingspferd Condé konnte sich fast alles auf dem Gelände erlauben. Der Wallach betrat mehr als einmal mit seinen beschlagenen Hufen das Parkett königlicher Räume. Ungehindert bediente er sich an den Obstbäumen - und hinterließ seine Pferdeäpfel. Condé wurde 38 Jahre und überlebte den Monarchen um 18 Jahre.