Illegalen Grenzübertritt warfen die iranischen Behörden ihm und seinem französischen Skipper Stéphane Lherbier vor. Ein Gericht verurteilte die Männer zu 18 Monaten Haft. Alle diplomatischen und juristischen Bemühungen, sie vorzeitig aus dem Gefängnis zu bekommen, schlugen bislang fehl. Unklare Signale aus dem Iran zehren an den Nerven aller Beteiligten.
Ein Jahr nach der Verhaftung des Pfälzers Donald Klein im Iran hat die Ehefrau des 53-Jährigen die Regierung des Landes in einem verzweifelten Appell erneut um die Freilassung ihres Mannes gebeten. "Donald Klein ist unschuldig", schrieben Ehefrau Karin Klein und Anwalt Klaus Kübler in dem gestern veröffentlichten Brief. Das Auswärtige Amt verwies auf die fortlaufenden Bemühungen um eine vorzeitige Freilassung Kleins. "Wir sprechen die iranische Seite auf allen Ebenen und ständig auf das Thema an", sagte ein Außenamtssprecher.
Zuletzt sorgten mal wieder Meldungen für Aufregung, Lherbier - und damit womöglich auch Klein - könnte noch eine Anklage wegen Spionage drohen. Ein Missverständnis, hieß es einige Tage später aus Teheran. Dazu kommen immer wieder Äußerungen aus dem Iran, die Strafe gegen Klein und Lherbier sei "mild" ausgefallen - was die Regierungen in Berlin und Paris anders sehen. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Michael Ebel, spricht von einer "nach unserer Rechtsauffassung nicht angemessenen Strafe". Zugleich betont er, das Strafmaß sei von den iranischen Gesetzen gedeckt, es handele sich also nicht um einen Fall von Rechtsbeugung.
Die Äußerungen aus dem Iran seien schwierig einzuschätzen, sagt Kleins Anwalt Klaus Kübler. Klein gehe es gesundheitlich nicht gut. "Er hält sich so", beschreibt Kübler die Lage des Häftlings. In mühsamer Kleinarbeit konnte die deutsche Botschaft im Iran zumindest einige Lockerungen für Klein erreichen, die "die nicht einfachen Haftbedingungen zumindest erträglicher machen", wie es Außenamtssprecher Ebel formuliert. So darf der 52-Jährige einmal täglich mit seiner Frau telefonieren, bekommt Lebensmittel, Bücher, Zeitungen und Kleidungen ins berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran geliefert. Einmal die Woche besucht ihn dort ein deutscher Pfarrer.
Es wurde Einiges versucht in den vergangenen Monaten, um die beiden Häftlinge möglichst bald aus dem Gefängnis zu bekommen: Eine Berufung gegen das im Januar gefällte Urteil brachte keine mildere Entscheidung. Anträge auf Haftverschonung blieben bislang ebenfalls erfolglos. Auch ein Vorstoß des Bundesinnenministeriums vor der Fußball-Weltmeisterschaft brachte keinen Fortschritt. Dem für die WM qualifizierten Iran biete sich bei dieser Gelegenheit die Chance, guten Willen zu zeigen, sollte wohl die - letztlich ungehörte - Botschaft an Teheran damals lauten. Auch ein flammender Appell der Ehefrauen Kleins und Lherbiers Ende Juni verhallte ungehört. Zu den wenigen Erfolgen zählt ein mehrtägiger Hafturlaub Kleins und Lherbiers im Iran.
Deutsche Politiker bringen den Fall Klein bei jedem Besuch im Iran zur Sprache - auch das bislang erfolglos. Der Obmann von CDU/CSU im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, war erst vor einigen Wochen mit anderen Politikern wieder im Iran. Die iranischen Gesprächspartner hätten - auf die Sache Klein angesprochen - keine große Regung gezeigt, erzählt er. Guttenberg spricht von einem "zunehmend bizarren Fall". Beteiligten zufolge verknüpft der Iran den Fall Klein/Lherbier aber zumindest nicht mit dem Streit um sein Atomprogramm.
Die - zumindest offiziell - letzte Hoffnung sind nun mehrere Gnadengesuche. Mit ihrer Hilfe soll es gelingen, Klein und Lherbier vor dem regulären Haftende im Mai 2007 freizubekommen. Entscheiden wird über die Gesuche Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei.