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| 01:26 Uhr

Pfadfinder mit Nachwuchssorgen

Auch knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben die Pfadfinder in Ostdeutschland bislang kaum Fuß gefasst. Vielen Gruppen in Sachsen-Anhalt beispielsweise fehlt der Nachwuchs, einige mussten sich in den vergangenen Jahren auflösen. Von Fabian Erik Schlüter

Die drei größten deutschen Pfadfinderverbände im Land zählen zusammen nicht einmal 300 Mitglieder. Dazu kommen noch einige Pfadfinder aus den kleineren Verbänden.
Die Bewegung lebt von ehrenamtlichen Pfadfindern mit Erfahrung, die ihr Wissen an jüngere Mitglieder weitergeben. Eine solche Struktur fehlt in Ostdeutschland jedoch – in der DDR war Jugendarbeit das Geschäft des Staates; Pioniere und FDJ ließen keinen Raum für sich frei organisierende Jugendorganisationen.

Tabu einheitliche Kleidung
Mit dem Erbe der DDR haben die Pfadfindergruppen noch aus einem anderen Grund zu kämpfen. Denn wie bei den Kinder- und Jugendorganisationen des SED-Staates tragen auch Pfadfinder einheitliche Hemden und Halstücher – für viele nach der Wende ein Tabu. „Mit den Pfadfindern haben sich hier im Osten viele aus der Kirche sehr schwergetan“, sagt Matthias Spenn vom evangelischen Verband Christlicher Pfadfinder. „Eine solche Jugendarbeit war ihnen einfach suspekt.“
Erschwerend kommt heute die fortwährende Abwanderung hinzu: „Viele unserer Pfadfinder gehen irgendwann zum Arbeiten oder Studieren in den Westen“, sagt Harald Urbanek, Vorsitzender der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg im Diözesenverband Magdeburg. „Uns fehlen dann hier plötzlich die Gruppenleiter.“
Allerdings stehen die Pfadfinder mit ihren Problemen nicht alleine da. „Jugendverbandsarbeit insgesamt steckt in ganz Deutschland in einer Krise“, sagt Titus Simon, Professor für Jugendarbeit und Jugendhilfeplanung an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Darunter litten auch die „Klassiker“ der Jugendarbeit auf dem Land wie Sportvereine und Jugendfeuerwehren. „Kinder und Jugendliche sind immer weniger bereit, sich fest an einen Verein zu binden.“ Pfadfinder, so seine Prognose, würden deshalb in naher Zukunft weiter an Bedeutung verlieren.
Dabei hat das Erziehungskonzept, das sich Robert Baden-Powell, Gründer der Pfadfinderbewegung, ausdachte, an Aktualität in den vergangenen 100 Jahren nichts eingebüßt: Kinder und Jugendliche zu selbstbewussten und selbstständigen Menschen zu erziehen, sie Verantwortung übernehmen und an Aufgaben wachsen zu lassen. 38 Millionen Pfadfinder weltweit lassen sich von dieser Idee heute begeistern. Knapp 200 000 Mitglieder zählen die größten deutschen Pfadfinderverbände, die katholische Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), der evangelische Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) und der konfessionslose Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP).

Neu im Burgenlandkreis
Doch immer wieder gelingt es auch Pfadfindern in Sachsen-Anhalt, sich diesem Trend zu widersetzen. Wie in Laucha im Burgenlandkreis. Dort wurde vor dreieinhalb Jahren eine Gruppe des VCP gegründet, als Reaktion auf die starke Präsenz rechter Jugendlicher in der Gegend. „Nicht gegen Rechts, sondern für Demokratie“, formuliert Pfarrerin Anne-Christina Wegner, die den Anstoß für die Gründung gab, das Motto. Die Gruppe sei mit mehr als 20 Mitgliedern fest etabliert – jetzt sollen in der ganzen Region neue Pfadfindergruppen entstehen. www.dpsg.de
www.vcp.de
www.pfadfinden.de